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Ein Kulturhaus ist zu retten

Claudia Drews (l.) mit Petra Rothe beim Kreativmarkt im Kulturhaus in Plessa.
Claudia Drews (l.) mit Petra Rothe beim Kreativmarkt im Kulturhaus in Plessa. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Plessa. Es gibt sie überall in der Region, die Kultur-Macher, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, das Leben lebenswerter zu machen. So auch in Plessa (Elbe-Elster), wo Claudia Drews den Kulturverein führt. Ida Kretzschmar / ik

Eingehüllt fast wie von Christo persönlich präsentierte sich das Plessaer Kulturhaus in diesem Sommer. Kein Kunstprojekt verbarg sich dahinter, aber ein Projekt für Kunst und Kultur. Ein Zeichen reger Bautätigkeit, ein Rettungszeichen. Ohne den Plessaer Kulturverein wäre das unter Denkmalschutz stehende Kulturhaus womöglich nicht mehr zu retten gewesen.

Er hat sich nicht nur gegen einen Abriss gestemmt und dem Haus wieder Leben eingehaucht. In einer Spendenaktion hat er sich auch darum gekümmert, dass die Fenster zur Straße erneuert werden konnten. Dem Kulturverein unter Führung von Claudia Drews gelingt es zudem immer wieder, ein paar Fördermittel fürs Haus lockerzumachen.

Die Verwaltungswirtin ist Gründungsmitglied des Vereins, von Anfang an im Vorstand und seit diesem Jahr Vorsitzende. Die 60-Jährige gehört somit zu den Rettern des Kulturhauses, obwohl sie nicht wie manch anderer Plessaer beim Aufbau Ende der 1950er-Jahre selbst mit Hand anlegen konnte, weder dort ihre erste Liebe gefunden hat noch in Jugenderinnerungen schwelgt.

"Aber es ist schön, wie sich die Plessaer mit ihrem Kulturhaus identifizieren. Und ich verstehe mich darauf, die sachliche Sicht mit der emotionalen unter einen Hut zu bringen", sagt die Verwaltungsleiterin, die beruflich zwischen Plessa und Cottbus pendelt, wo sie in den vergangenen Wochen für die Brandenburgische Kulturstiftung mit den Gründungsvorbereitungen des Landesmuseums für moderne Kunst befasst war.

Claudia Drews ist eine Zugezogene in Plessa. "Aber ich bin längst angekommen und will auch bleiben", versichert die 60-Jährige lachend, die die Gegend besonders gern mit dem Fahrrad erkundet. 1993 zog sie mit ihrem Mann Manfred Drews, der Amtsdirektor in Plessa wurde, aus einer Klein stadt in Nordrhein-Westfalen in die knapp 500-Seelen-Gemeinde Döllingen, ein Ortsteil von Plessa. Dem Amtsdirektor schwebte anfangs übrigens vor, ein neues Bürgerzentrum zu errichten, dem das baufällige Kulturhaus weichen sollte. Seine Gemeindevertreter aber ließen an ihrem Kulturhaus nicht rütteln, was ihn überzeugte. Heute ist er im Ruhestand und betreut die Sanierungsarbeiten als ehrenamtlicher Bauleiter für den Verein.

Die Drews' hatten im Münsterland beide in der Kommunalverwaltung gearbeitet. Und so folgte die Verwaltungswirtin ihrem Mann erst ins Elbe-Elster-Land, als sie in der Nähe selbst neue berufliche Herausforderungen gefunden hatte. "Ich wurde Hauptamtsleiterin in Großenhain, wo ich mich auch intensiv um Kunst und Kultur kümmerte. Schon seit jeher bin ich damit sehr verbunden", erzählt Claudia Drews.

Landesgartenschau, Erlebnisfest der Sinne, Stadtfeste und Jubiläen sowie die Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain standen auf ihrer Agenda. Es waren 17 mit Kulturarbeit ausgefüllte Jahre in Sachsen, dabei immer auch die Nachbarschaft im Auge behaltend. So wurde sie dann auch Koordinatorin der 1. Brandenburgischen Landesausstellung in Doberlug-Kirchhain, dort, "Wo Preußen Sachsen küsst".

Im Ehrenamt aber geht es ihr seit neun Jahren um das Kulturleben in Plessa. "Dieser historische Ort hat so schöne Traditionen, die bewahrt werden müssen. Ich habe Freude daran, teilzuhaben, mittendrin zu sein", spricht sie über ihre Beweggründe, warum sie sich auch für das Mühlenfest starkmacht, wo man ihr zu Pfingsten im historischen Kostüm begegnen konnte. Im Karnevalskostüm allerdings sieht man sie eher selten, obwohl sie das Engagement der Plessaer Karnevalisten sehr zu schätzen weiß, die auch im Kulturverein mitmischen.

"Es gibt viele Kultur-Macher im Ort, die etwas für die Gemeinschaft tun und Plessa auch für Gäste von weither anziehend machen", sagt sie anerkennend.

Ihre Kreativität lebt Claudia Drews, wenn sie nicht gerade daheim mit Pinsel und Glasperlen experimentiert, besonders gern beim Gestalten des Kunst- und Kreativmarktes am ersten Samstag im November aus. Dann füllt sich das Kulturhaus mit den verschiedensten Kunsthandwerkern, die nicht nur aus der Region nach Plessa strömen. "Innerhalb von zwei Wochen waren an die 50 Stände besetzt, wir konnten uns vor Anmeldungen nicht retten", freut sie sich schon heute auf das Ereignis, bei dem durch Workshops auch viele Besucher zu eigener Kreativität angeregt werden.

Auch der neue Kulturhausplan muss erstellt werden, der für Jung und Alt gleichermaßen attraktiv sein soll. "Ideen spuken mir viele im Kopf herum. Aber es braucht natürlich auch Zeit und Mitstreiter", sagt Claudia Drews.

Auf eine zündende Idee hofft sie dabei am meisten: "Wie bekommen wir Nachwuchs im Verein?" Nur dadurch kann schließlich das Kulturhaus auf Dauer gerettet werden.

Zum Thema:
Am ersten Samstag im November öffnet im Kulturhaus Plessa der Kunst- und Kreativmarkt. Etwa 50 Künstler und Kunsthandwerker zeigen Unikate, Textil- und Holzarbeiten, über Glas und Keramik bis Malerei. Die Besucher sind zum Mitmachen eingeladen und können beim Markt den Umgang mit Fimo, Holz, Ton und anderen Materialien lernen.Am 13. Januar 2018 gibt es ein "Konzert zum Jahreswechsel" unter dem Motto "Das Orchester tanzt" im Kulturhaus. Der neu engagierte 1. Kapellmeister Alexander Merzyn und die Sopranistin Liudmila Lokaichuk aus dem Cottbuser Opernensemble präsentieren gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters beliebte Orchestertänze und sängerische Glanzstücke von Brahms, Ravel und vielen anderen. (ik)