Laut Verleih Kinostar ist der Streifen der erfolgreichste türkische Film, den es jemals in Deutschland gegeben hat.

Diesmal sind die Reihen ausgedünnt, am Anfang aber war der Ansturm groß. Rund 2500 Besucher kamen. Filmstar Sahan Gökbakar war extra angereist.

413 800 Zuschauer

Deutschlandweit sahen den Film in den ersten zweieinhalb Wochen 413 800 Menschen, berichtet der Filmverleih Kinostar. Damit brach „Recep Ivedik“ den bisherigen Rekord von „Tal der Wölfe“, einem Actionfilm über den Irakkrieg. Er hatte in seiner gesamten Laufzeit 410 237 Besucher. Das Erfolgsrezept ist einfach: flache Sprüche, seichte Komik, bunte Bilder. Der Film erzählt die Geschichte von Recep, einem cholerischen und faulen Macho, der sich auf Wunsch seiner Großmutter auf die Suche nach einem Job, einer Frau und gesellschaftlicher Anerkennung macht – sonst droht sie zu sterben, ohne ihn zu segnen.

Said Ibaidi, Experte für deutsch-türkische Beziehungen an der Freien Universität Berlin, glaubt, dass Receps Humor der Schlüssel zum Erfolg war. „Filme mit politischem Hintergrund oder heiklen gesellschaftlichen Themen sind schwer verdaulich und interessieren viele Migranten nicht. Aber über Humor kann man überall lachen, ob zu Hause oder in der Fremde.“ Außerdem kämen Komödien bei gemeinschaftsorientierten Kulturen generell sehr gut an.

Identifikationsfigur

Recep ist grob und unanständig. Er hat keine Manieren. „Sehr viele Männer in der Türkei werden so wahrgenommen“, sagt Hakan Mican. Der 31-Jährige mit türkischen Wurzeln ist Regisseur und Student an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Er glaubt, dass Recep eine Figur verkörpert, die die Grundkonflikte der türkischen Gesellschaft reflektiert. „Viele Türken erkennen sich in Recep wieder“, sagt er. Der Film läuft auf Türkisch mit deutschen Untertiteln. Nach Angaben des Karli-Kinos waren schätzungsweise 99 Prozent der bisherigen Besucher Türken. Als „Kulturignoranz“ bezeichnet Regisseur Mican das Desinteresse der Deutschen. „Ich habe noch nie gehört, dass ein Deutscher in einen türkischen Film gegangen ist. Die haben einfach kein Interesse“, sagt er. Zuschauerin Hanife stört das nicht: „Deutsche würden Receps Humor sowieso nicht verstehen“, sagt sie.