Hier haben die Landschaftsarchitekten auf 1200 Quadratmetern eine moderne Interpretation eines Pleasuregrounds des Fürsten Pückler gestaltet. Für mich bemerkenswert sind Aufwand und Akribie und die entstandene Fülle und Vielfalt des Gartens - wirklich pücklerisch. Zumal auch die umliegende Landschaft mit Blicken aufs Siebengebirge und den Bonner Venusberg gezielt einbezogen wurde. Schon auf dem Vorplatz wird Pücklers restaurierte große Baumpflanzmaschine für die Schau werben.

Was sind die größten Herausforderungen, um diesen Pückler-Dachgarten zu gestalten?
So ein Dach ist schon ein Ex tremstandort, insbesondere was die Wasserversorgung und die Bodenverhältnisse anbelangt. Statiker haben genau festgelegt, an welcher Stelle man was machen kann. Tonnenschwere Bäume wurden mit Kränen nach oben gehievt und mit aufwendigen Konstruktionen windsicher verankert. Die aufgeschüttete Erde ist zu einem schönen Relief modelliert worden, und Tausende Frühjahrsblumen bilden einen bunten Teppich. Zum Sommer hin wird sich der Flor dann nochmals ändern. Über 750 Beetziegel in Pücklerblau, gefertigt von den Lebenshilfewerkstätten Cottbus, umfassen die Blumenbeete. Und zum ersten Mal gibt es einen künstlichen Teich auf dem Dach der Bundeskunsthalle.

Welches sind die gestalterischen Höhepunkte?
Sicherlich das Rosarie aus dem Muskauer Park und die Branitzer Rosenlaube, die frisch restauriert aus der Werkstatt in Jelenia Góra (Hirschberg) ihren Platz an der schönsten Stelle des Daches finden wird. Einer der Gartenarchitekten der Dachlandschaft ist übrigens Friedrich Meiberth, der in Cottbus bereits Spuren hinterlassen hat: Als späterer Gründungsgeschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft war er federführend für die Entscheidung, Cottbus 1995 den Zuschlag für die Bundesgartenschau zu geben.

Welchen Anteil hat Branitz an der Ausstellung?
Die Stiftung und die Erbengemeinschaft Pückler sind Hauptleihgeber für die Ausstellung. Wichtigste Stücke sind die Aquarelle zu Pücklers "Andeutungen" von August Wilhelm Schirmer, der Ehrenbürgerbrief der Stadt Cottbus für den Fürsten von 1857, das Pücklerporträt von August Gosch, historische Parkpläne, Erinnerungsbücher der Englandreise und Illustrationen zu "Semilasso in Afrika", die Pückler im orientalischen Reisekostüm zeigen.

Auch zahlreiche Pflanzen haben ja den Weg nach Bonn angetreten.
Aus der Branitzer Baumuniversität kommen Graupappeln und Blut-Buchen, genetisch identisch von den Mutterbäumen im Park. Der größte Baum hat eine Höhe von sechs Metern. Auch unsere geklonten Invitro-Gehölze, - Spiersträucher und Platanen - die wir in der Humboldt-Universität Berlin haben vermehren lassen, werden gezeigt. Sie dokumentieren, wie wir versuchen, das Erbgut unserer wichtigsten Parkgehölze zu sichern. Aus dem Muskauer Park werden eine große Blutbuche und Ananaspflanzen zu sehen sein.

Es geht ja um die Pücklerparke Branitz, Muskau und Babelsberg - wie können die Besucher einen Eindruck von den Originalen erhalten?
Die Ausstellungsmacher haben dafür aufwendige Filme gedreht, die zeigen sollen, warum diese Parke so besondere, lebende Kunstwerke sind. Durch Zeitrafferaufnahmen sind die Parklandschaften im Wandel der Jahreszeiten zu sehen. Es sind tolle Drohnen-Flüge zu erleben, die die Charakteristika der Parks hervorheben. In Branitz ist es gelungen, die Intimität zu zeigen - vom Kugelberg über den Schilfsee aufs Schloss. Pücklers Idealbild der Natur. Den frisch restaurierten Tumulus mal von oben zu betrachten, ist ein Erlebnis. In Muskau sind es die langen Sichten - in rasender Geschwindigkeit knapp über der Oberfläche vom Pücklerstein zum Schloss, einfach klasse.

Was wird Park und Schloss Branitz von dieser Ausstellung bleiben?
Zum einen gehört die Gegend um Bonn zu den bevölkerungsreichsten, die Benelux-Staaten sind nicht weit weg - wo könnte man publikumswirksamer Lust auf unsere Parks machen. Zum anderen freuen wir uns, alles, was speziell für die Ausstellung gefertigt wurde, nachnutzen zu können. Von der Bildreproduktion über das neu gebaute Kaiserpanorama (Guckkasten) bis hin zu den Filmen und Veröffentlichungen. Und unsere Rosenlaube ist wie neu. Die Bundeskunsthalle hat für dies alles einen beeindruckenden Aufwand betrieben, und man kann der Kuratorin Dr. Agnieszka Lulinska und dem Team nur allerhöchsten Respekt zollen. Ganz nebenbei, Bonn ist die Geburtsstadt des königlichen Gartendirektors Peter Joseph Lenné, Pücklers größtem Konkurrenten.

Mit Claudius Wecke sprach

Renate Marschall

Zum Thema:
Pücklers nach englischem Vorbild angelegte Landschaftsparks in Bad Muskau/êknica, Babelsberg und Branitz zählen zu den Höhepunkten europäischer Landschaftsgestaltung im 19. Jahrhundert. Diese drei Parks stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die das Leben und Werk des Fürsten Pückler nachzeichnet.Die Ausstellung ist eine Kooperation der Bundeskunsthalle mit den Stiftungen Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Fürst-Pückler-Park Bad Muskau sowie dem Nationalen Institut für Kulturelles Erbe der Republik Polen.