Seit er in den 80er-Jahren an Blutkrebs erkrankt war und die Krankheit mit Hilfe einer Knochenmark-Transplantation bezwang, ist der Sänger noch bescheidener geworden.
Über eine von ihm gegründete Stiftung, die auch eine Niederlassung in Deutschland hat, stellt er Millionenbeträge für den Kampf gegen die Leukämie zur Verfügung. „Die Stiftung ist mir fast noch wichtiger als der Gesang“ , sagte der aus Barcelona stammende Tenor kürzlich. An ein Ende seiner Sänger-Karriere denkt er vorerst nicht: „Ich habe nach wie vor Spaß auf der Bühne.“ Zum Jahreswechsel gibt er Konzerte in Taiwan, Hongkong, Japan und Südkorea. Kritiker halten ihm allerdings vor, dass seine stimmlichen Leistungen in letzter Zeit nachgelassen hätten und er zunehmend von der Strahlkraft seines Namens zehre.
Carreras war der Jüngste und am wenigsten Bekannte der „drei Tenöre“ . Das Trio, dem auch Pavarotti und Domingo angehörten, hatte im Jahr 1990 anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Italien zusammengefunden. Carreras ist selbst ein Fußballfan und glühender Anhänger des FC Barcelona.
Sein Weg zum internationalen Opernstar verlief fast geradlinig. Schon als kleiner Schuljunge unterhielt er im Friseurladen seiner Mutter die Kundinnen mit seinen Liedern und ließ sich Trinkgelder zustecken. Als Elfjähriger hatte Carreras seinen ersten Opernauftritt, in seiner Heimatstadt sang er in einer Nebenrolle einen Sopranpart. Nach dem Schulabschluss studierte er zunächst Chemie, entschied sich aber dann doch für das Wagnis einer Sängerkarriere. Dass ihm schon bald - mit 24 Jahren - der Sprung in Titelrollen gelang, hatte er auch der großen spanischen Sopranistin Montserrat Caballé zu verdanken, die den jungen Tenor entscheidend förderte. Bald öffneten sich Carreras die großen Opernhäuser der Welt. Vor 30 Jahren holte Herbert von Karajan ihn zu den Salzburger Festspielen. Ein Jahr später riss er als Rodolfo in Puccinis „La Bohème“ - wieder mit Karajan - in der Wiener Staatsoper das Publikum zu 35 Minuten langem Beifall hin.
Kenner rühmten die gefühlvolle Ausdrucks- und Gestaltungskraft von Carreras' Stimme und vor allem seine persönliche Ausstrahlung. „Er ist eine Anti-Diva par excellence, aber von der Natur her hätte er das Zeug zu einer Super-Diva“ , schrieb eine Zeitung.