Böttger-typisch handelt es sich um ein zu einer ausdrucksstarken Figur konzentriertes humanes Thema: Tagebau. Es wurde in der Lausitz noch und nöcher dargestellt, aber jemals so monströs und farbenprächtig? Ein brüllender Titan erhebt sich aus der Erde, hinten purzeln Häuser seinen Rücken runter, vorne ein Blitz aus Energie. Die Farben dieser künstlerischen Explosion muss man sehen, dass lässt sich mit Sprache schwer wiedergeben. Anmutiger aber erscheint ein anderes, unbetiteltes Werk, deswegen ist es hier abgebildet: Es zeigt zwei dunkle, vielleicht afrikanische Figuren, diejenige im Vordergrund als Frauenakt. Wie Böttger die Farbe üppig auf die Leinwand setzt, wirkt wie eine stürmische Verneigung vor den französischen Impressionisten. Gauguin und Konsorten, die im späten 19. Jahrhundert in der Südsee nach den edlen Wilden suchten, lassen von ferne grüßen. Es bleibt die Frage: Warum sind diese Böttger-Werke nicht datiert? Sprengen sie auch Kalender? Reduzierte Landschaften In der Ruhe liegt die Kraft, vermitteln dagegen die Ölgemälde von Gerhart Lampa (Jahrgang 1940). Eindrucksvoll sind seine auf wenige Farbflächen reduzierten Landschaften wie die aus anderen Ausstellungen bekannte "Leuchtende Kippe" (2002). Zwei figurative Darstellungen von Entsetzen und Trauer - "Magdeburg, 16. Januar 1945" (2007) und "Die Reise/Tod der Mutter" (1996) - kommen jedoch etwas hölzern daher. Eine dritte namens "Warten auf Gäste" (2002) hat Witz. Eine Frau im dunklen Festgewand blickt vor einer blumengeschmückten Tafel skeptisch aus dem Bild. Die Begegnung mit anderen Menschen ist ja durchaus nicht nur angenehm. Werden die Gäste erträglich sein? In der weiten BASF-Aula kommen gerade die Werke von Böttger und Lampa an den Längsseiten gut zur Geltung. Es gibt Platz, um zurückzutreten, malerische Details und Fernwirkungen der Komposition ineinanderzublenden. Ein Nachteil ist dagegen die beidseitige Fensterfront: Bilder anderer Künstler hinter Glas werden durch Lichtspiegelungen teilweise verdeckt. Zurücktreten bitte, lautet auch die Devise vor den Miniaturen von Bernd Gork (Jahrgang 1949). Es ist eine Freude, zu sehen, wie sich seine kunstvoll zusammengefügten Collagen aus vorwiegend beige-braunen Papierfetzen zu Landschaften und Gebäudeensembles öffnen. Deplaziert wirken allerdings die Werke von Bernd Winkler (Jahrgang 1951) und Oksana Gansera-Pazych (Jahrgang 1972). Seinen Porträts und ihren überwiegend landschaftlichen Stillleben fehlt handwerkliche und gestalterische Raffinesse. Siegfried Krepp (Jahrgang 1930) ist mit expressiven Holzskulpturen ("Große Stehende" und "Weites Feld", beide zwischen 1992 und 1998 entstanden) sowie Acrylmalerei (Möbel-Stillleben, die mit Perspektiven experimentieren) vertreten: Der Mensch und sein Zubehör sozusagen. Gottfried Zawadzki (Jahrgang 1922) weitet den Blick: von Mensch und Natur zur Schöpfung überhaupt. Der Künstler, der insbesondere Kirchenfenster gestaltet hat, bringt mit Formen, die an Planeten, Flammen, Strahlen, Mund und Augen erinnern, Schöpfungsmythos und Urknalltheorie zusammen. Fantasievoll geschmiedet Christine Przybilski (Jahrgang 1952) orientiert sich bei ihren fantasievoll geschmiedeten Ringen, Ketten und Colliers an Naturformen, ebenso Manfred Vollmert (Jahrgang 1937) bei seinen Skulpturen aus Metall. Glas und Papier sind bevorzugte Materialien von Angela Willeke (Jahrgang 1952). Von ihren Objekten fallen insbesondere zarte Gesichtsmasken und Handskulpturen aus Papier ins Auge. Auch wenn die Zusammenschau von Kunsthandwerk und bildender Kunst in unterschiedlichen Qualitätsstufen bedenklich ist, ist diese um Vielfalt bemühte Ausstellung sehr ansprechend.