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| 12:45 Uhr

Skandal um Antisemitismus
An der Entscheidung für das Echo-Aus gibt es auch Kritik

Berlin. Die Musikindustrie zieht die Notbremse und schafft den Echo ab - als Reaktion auf den Skandal um die Ehrung für Kollegah und Farid Bang. Die Reaktionen darauf sind gespalten. Einige befürchten, dass sich die Rapper nun als Gewinner fühlen werden.

Die Musikindustrie zieht die Notbremse und schafft den Echo ab - als Reaktion auf den Skandal um die Ehrung für Kollegah und Farid Bang. Die Reaktionen darauf sind gespalten. Einige befürchten, dass sich die Rapper nun als Gewinner fühlen werden.

Der Echo sei durch die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang "so stark beschädigt" worden, dass ein "vollständiger Neuanfang" nötig geworden sei, teilte der Bundesverband der deutschen Musikindustrie am Mittwoch in Berlin mit. Die Echo-Verleihung sei über viele Jahre hinweg ein "zentrales Branchenevent mit vielen bewegenden Momenten" gewesen. Die Musikindustrie wolle aber nicht, dass der Preis als eine "Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung" wahrgenommen werde. Der bekannteste deutsche Musikpreis wurde seit 1992 vergeben.

Die Musikindustrie will aber auch in Zukunft einen Preis vergeben. Als drittgrößter Musikmarkt der Welt brauche Deutschland weiterhin "Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter", schrieb der Branchenverband dazu. Es werde aber ein neuer Preis sein: "Den Echo wird es nicht mehr geben." Eine Jury werde künftig stärker als bisher darüber entscheiden, wer ausgezeichnet werde. Details würden aber noch geklärt. Die Echo-Gewinner waren überwiegend auf Grundlage ihrer verkauften Alben ermittelt worden.

Auf Twitter wurde die Entscheidung von vielen Nutzern kritisiert. Die Rapper Kollegah und Farid Bang würden sich nun immer damit brüsken, dass ihretwegen der Echo abgeschafft worden sei, schrieben mehrere Nutzer. Andere meinten, dass die Musikindustrie mit ihrer Entscheidung das Problem nicht löse - das Album der Rapper werde schließlich weiterhin verkauft. Matthias Richel, Geschäftsführer der Werbeagentur Jung von Matt, warnte vor einer Legendenbildung: Der Echo sei nicht an zwei Rappern gescheitert, sondern am Verhalten der Verantwortlichen und wie sie mit politischen Debatten umgingen. Den Rappern Kollegah und Farid Bang wird wegen ihrer Liedtexte Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus vorgeworfen.

Musiker Thomas D. twitterte: "Der Echo wird abgeschafft?!?!?! Hahahahahahahahahahahahah". Der Musiker und "Tatort"-Star Jan Josef Liefers schrieb bei Facebook: "2 Rapper und eine hirn- und gefühllose Zeile schicken ECHO ins kühle Grab." In Anspielung auf einen eigenen Hit twitterte Andreas Bourani: "Ein Hoch auf das was vor uns liegt :) #ECHO #Veränderung".

Auch Wolfgang Niedecken äußerte sich zurückhaltend zum Aus des Echos. Zwar bezeichnete er die Abschaffung des Musikpreises als richtig. "Eine nachvollziehbare, gute Entscheidung", schrieb der BAP-Sänger der Deutschen Presse-Agentur. Aber er warnte davor, dass der Preis einfach unter einem anderen Namen fortgeführt werde: "Bleibt nur zu hoffen, dass nicht im nächsten Jahr der alte Wein in neuen Schläuchen angeboten wird."

Der 67-Jährige hatte in den vergangenen Tagen Vorwürfe gegen die Veranstalter erhoben. Der Bundesverband der Musikindustrie habe ihn und Klaus Voormann bei der Verleihung "ganz einfach ins Messer laufen lassen", kritisierte er auf Facebook. Niedecken hatte bei der Echo-Verleihung den Preis für das Lebenswerk an Musiker und Grafiker Klaus Voormann (79) überreicht. Voormann gab später aus Protest über die Würdigung der Rapper Kollegah und Farid Bang seine Trophäe zurück, genauso wie andere Künstler auch. Niedecken schrieb, er habe die "menschenverachtenden" Texte der Rapper nicht gekannt.

(wer)