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| 13:25 Uhr

Protest gegen Kollegah und Farid Bang
Sponsor springt von Musikpreis Echo ab

Berlin. Die Echo-Verantwortlichen stehen weiter in der Kritik, weil sie Kollegah und Farid Bang einen Preis gegeben haben. Ein Sponsor springt ab, immer mehr Preisträger distanzieren sich. Aber die Plattenfirma stellt sich hinter die Rapper.

Die Echo-Verantwortlichen stehen weiter in der Kritik, weil sie Kollegah und Farid Bang einen Preis gegeben haben. Ein Sponsor springt ab, immer mehr Preisträger distanzieren sich. Aber die Plattenfirma stellt sich hinter die Rapper.

Der Musikpreis Echo verliert nach der Auszeichnung für ein als antisemitisch kritisiertes Rap-Album einen Sponsor. Der Safthersteller Voelkel kündigte am Mittwoch seinen Rückzug an. Das niedersächsische Unternehmen hatte für die Preisverleihung am Donnerstag vergangener Woche Geld, Saft und Kühlschränke bereitgestellt.

Der Autohersteller Skoda, der Stars und Gäste in 75 Fahrzeugen fuhr, erwartet "eine rasche und eindeutige Aufarbeitung durch den Veranstalter", teilte ein Sprecher mit. "Sollte uns das Ergebnis nicht überzeugen, werden wir den bestehenden Sponsorvertrag bei diesem Event auf jeden Fall nicht fortführen."

Voelkel kritisierte, die Preisträger Kollegah und Farid Bang zögen in einem prämierten Song "auf beschämende Weise Vergleiche zu Opfern des Holocausts". Das Unternehmen sprach von einer schmerzhaften Grenzüberschreitung. "Die rein auf Verkaufszahlen basierte und im Vorfeld inhaltlich nicht ausreichend kritisch beurteilte Honorierung eröffnet auf das Echo-Komitee eine fragwürdige Perspektive."

Dass der Bundesverband der deutschen Musikindustrie diese Mechanismen erneuern wolle, sei ein wichtiges Signal. Voelkel wolle dennoch bis auf weiteres alternative und unabhängige Musikveranstaltungen ohne Diskriminierung und Diffamierung sponsern.

BMG stellt sich hinter Kollegah und Farid Bang

Die Plattenfirma BMG stellte sich dagegen hinter das Album: "Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht", teilte die Tochter des Medienunternehmens Bertelsmann am Mittwoch auf Anfrage in Berlin mit.

Ohne Zweifel hätten manche Zeilen des Rap-Albums viele Menschen tief verletzt. Auf der anderen Seite seien viele Menschen nicht so sehr verletzt worden, so dass das Album vergangenes Jahr eines der meistverkauften in Deutschland gewesen sei, schrieb BMG in einer Erklärung an die Nachrichtenagentur dpa.

Die Rapper hätten betont, dass sie weder rassistisch noch antisemitisch seien, und ihr Bedauern über verletzte Gefühle ausgedrückt. Das Album sei auch nicht indiziert worden. Der Ethikbeirat des Musikpreises habe es zur Verleihung zugelassen. "Wir bekräftigen unsere Verpflichtung zur künstlerischen Freiheit, so lange sich die Künstler an das Gesetz halten", teilte BMG weiter mit.

Album kommt möglicherweise auf den Index

Das Rap-Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Dass diese Musik beim Echo preiswürdig war, hatte heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst. Ob das Album wie vorige aus Jugendschutzgründen auf den Index kommt, ist nach Angaben der Bundesprüfstelle in Bonn noch offen. Eine Entscheidung wird Ende Juni erwartet.

Der langjährige Musikmoderator Peter Illmann ("Formel Eins") zeigte sich über die Auszeichnung für Kollegah und Farid Bang "entsetzt". Er hätte den Preis den Musikern vor die Füße geworfen, so Illmann. "Ich fordere auch die jüngeren Künstler wie Helene Fischer oder Mark Forster auf, sich wie Maffay und Westernhagen von Texten, die Gewalt verherrlichen oder antisemitisch sind, zu distanzieren." Illmann rief zudem dazu auf, das umstrittene Album zu boykottieren.

Bislang hatten sich überwiegend ältere Musiker zur Wort gemeldet. Campino war bei der Show am vergangenen Donnerstag der einzige, der auf der Bühne anprangerte, dass eine Grenze überschritten sei. Mehrere Preisträger wollen ihre Trophäen zurückgeben, außer Marius Müller-Westernhagen aber meist aus dem Klassik-Bereich. Am Mittwoch distanzierte sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Chefdirigent Mariss Jansons von seinen Echo-Auszeichnungen.

Der Bundesverband Musikindustrie hat den Preis für das Rap-Album mittlerweile als Fehler bezeichnet und will die als kommerziell kritisierte Verleihung überarbeiten. Der Echo ist der wichtigste deutsche Musikpreis. Er wird nach Verkaufszahlen und Juryempfehlung vergeben. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.

(wer)