Genauer gesagt ist das Thema: „Fäuste“ . Denn das Fest ist erstens beiden Teilen von Goethes Dichtung gewidmet und es hat zweitens mehrere Faust-Darsteller. Wie kann das 4. GlückAufFest die hohen Maßstäbe erreichen, die von den drei Vorgän ger-Spektakeln gesetzt wurden„ Das Besondere an den Senftenberger GlückAufFesten, die bisher unter den Überschriften „Anfänge“ , „Werte“ und „Lachen“ veranstaltet wurden, war ihre Stücke- und Genre-Vielfalt: Mindestens zwölf Inszenierungen an einem Abend gab es. Die konnte ein Zuschauer nie in einem Ruck sehen, es gab ja immer Parallel-Vorführungen. So lud das Fest immer ein, es zwei oder am besten dreimal zu besuchen Und je nach Gusto konnte das Publikum eine der „Schichten“ genannten Aufführungslinien auslassen - also auch mal später ein- oder früher aussteigen.
Das ist diesmal anders. Die „Fäuste“ verstehen sich als Gesamtkunstwerk. Allerdings stecken, wie Intendant Sewan Latchinian immer gern betont, in „Faust I und II“ eigentlich sieben bis acht Stücke: „Da gibt's das Puppenspiel, das Tanztheater, den Schwank, die Parodie, die Tragödie, auch fast so etwas wie die Operette. Und ein Schauspiel ist es natürlich vor allen Dingen. Uns bietet sich also eine breite Palette an Genres. Alle Versmaße, die es im Deutschen gibt, kommen vor. Und das Stück spielt in unterschiedlichen Zeitepochen - in der Antike, im Mittelalter.“ Und hat aktuelle Bezüge.
So geht's vonstatten: Im Innenhof des Theaters steht wieder das Kartenzelt, das wie gewohnt eine Stunde vor Beginn des Spektakels öffnet. Der Start für die „Reise durch die kleine, dann die große Welt“ ist, verbunden mit einem Sektempfang, eine Viertelstunde vor Beginn auf dem Schulhof.
Der Tragödie I. Teil spielt sich noch im Theater selbst ab. Hier erteilt Gott Mephistopheles die Erlaubnis, Faust in Versuchung zu führen. Hier schlürft Faust den Zaubertrank, der ihn verjüngt und in leidenschaftlicher Liebe zu Gretchen entbrennen lässt, die er verrät. Gretchen tötet das gemeinsame Kind, und als Faust sie aus dem Kerker befreien will, weist sie ihn ab. Triumphiert Mephisto“
Es folgt ein knappe Stunde Pause mit Gastronomie im Zelt, im Innenhof und im Foyer. Gegen 19 Uhr (zur heutigen Premiere 20 Uhr, da erst um 17 Uhr angefangen wird), brechen Faust und Mephisto auf, um sich ins Zentrum der Macht zu begeben. In Bussen und mit einem kleinen Lunchpaket ausgestattet, folgt das Publikum den beiden. Erste Station: die Sparkasse am Senftenberger Markt. Hier feiert der Staatsrat des Kaisers Karneval, obwohl sich der Staat in einer tiefen Krise befindet. Sie zu überwinden, erfinden Faust und Mephisto das Papiergeld. In einem Puppenspiel erblickt Faust die schönste Frau der Welt, Helena, und verliebt sich unsterblich in sie.
Gegen 21 Uhr wird die Reise in die Welt fortgesetzt. Im Konrad-Zuse-Zentrum der Fachhochschule Lausitz. hat der Wissenschaftler Wagner soeben einen künstlichen Menschen erzeugt, den körperlosen „Homunculus“ . Dieser leitet den Faust auf seiner Suche nach Helena in das Fabelreich der antiken Sage.
Das Schloss ist gegen 22.30 Uhr die Station 3. Unter nächtlichem Himmel stimmt ein griechischer Imbiss auf die Antike ein. Wärmende Decken lassen vergessen, dass wir im Norden sind (Glühwein sicher auch) - und Mephisto fädelt die Begegnung zwischen Faust und Helena ein, die soeben aus dem trojanischen Krieg in Sparta angekommen ist.
Gegen Mitternacht schließlich entwickelt der blinde Faust in der Eisenhalle am Tagebau Meuro, der Station 4, seine Vision vom "freien Volk auf freiem Grund". Mit dem Streit zwischen Mephisto und den Engeln um die Seele Fausts endet die Reise durch "die große Welt". Die Theaternacht muss aber noch nicht beendet sein: Die Busse fahren das Publikum zurück zum Theater, wo Musik, Speis und Trank zu einem gemeinsamen Ausklang einladen. Da gereist wird und auch rustikale Plätze auf dem Programm stehen, sei eher Wander- denn Dinner-Kleidung empfohlen.