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| 18:41 Uhr

Durch die treuen Hände der Freunde

Sarkophag um 1930.
Sarkophag um 1930. FOTO: Sammlung: Frank Henschel
Brody. Alles ist hier auf der polnischen Seite der Neiße noch in Schnee gehüllt. Malerisch. Renate Marschall

Die Wälder, durch die man fährt, der Park, der durch die Parkseminare in den zurückliegenden Jahren wieder an Ausstrahlung gewonnen hat. Einer, der eine besondere Beziehung zu diesem Schlosspark hat, ist der Parkleiter von Branitz, Claudius Wecke. Er hat über Brody 2007 seine Diplomarbeit geschrieben. Seither hat ihn dieses einstige Brühlsche Ensemble Pförten/Brody nicht mehr losgelassen - aber das ist eine andere Geschichte.

Es ist ein Glücksfall für Brody. Die Hamburger Hermann Reemtsma Stiftung finanziert mit 67 000 Euro den Wiederaufbau eines kulturhistorisch wertvollen Sarkophags im Park des einstigen Residenzschlosses Pförten des Grafen Heinrich von Brühl (1700 - 1763).

Der Sarkophag, um den es geht, liegt zurzeit noch als unförmiger Steinhaufen im Schlosshof. Der Schnee hat auch ihn zugedeckt. Trotzdem, an Winterschlaf ist nicht zu denken. Das Geld ist da und die Vorarbeiten wurden bereits Ende vergangenen Jahres abgeschlossen. Der polnische Restaurator Tomasz Filar hat eine umfangreiche Dokumentation erarbeitet, alle Bruchstücke und die beiden Obelisken, die den Sarkophag begrenzten, gesichert. Dafür hatte die Reemtsma Stiftung bereits 8300 Euro bereitgestellt. Nun noch einmal 67 000 Euro. Der Bescheid wurde dieser Tage übergeben. "Wir möchten mit dieser Zusage die jahrelangen intensiven Bemühungen von polnischen und deutschen Stellen um dieses bedeutende europäische Kulturerbe würdigen", begründete Geschäftsführer Dr. Sebastian Giesen die Unterstützung der Stiftung. Engagiert hat sich hier besonders der Europäische Parkverbund Lausitz, dem die Pücklerparks in Bad Muskau/Leknica und der in Branitz, der Rosengarten Forst sowie der Schlosspark Brody angehören. Große Freude auch bei Brodys Bürgermeister Ryszard Kowalczuk, der augenzwinkernd meinte, er könne durchaus einmal pro Woche einen solchen Termin wahrnehmen.

Was ist nun Besonderes an diesem Sarkophag,und wodurch kam er zu Schaden? Letztere Frage ist leicht beantwortet: durch Vandalismus. 1945 nach Kriegsende hat wohl jemand einen verborgenen Schatz darin vermutet. Doch er war leer. Seither hatte sich die Natur über die Trümmerstücke hergemacht. Schade drum, denn dieser Sarkophag weiß Geschichten zu erzählen und lässt auf interessante Querverbindungen schließen. Errichtet wurde er um 1780 von Aloys Friedrich Graf von Brühl, Heinrichs ältestem Sohn, als eine Art Gedenkstein, was Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts in Mode war. Die Gebeine eines Toten hat er nie beherbergt. Vielmehr war er dem Andenken des Reichsfreiherrn von Hund, einem der bekanntesten Vertreter der deutschen Freimaurerei, der auch Aloys von Brühl anhing, sowie Christian Ludwig von Gablenz gewidmet. Gablenz hatte während seiner Reise von Warschau nach Dresden, wo er das Amt des Oberhofjägermeisters übernehmen sollte, in Pförten Station gemacht und war hier gestorben. Noch eine interessante Verbindung hat sich herausgestellt: Im Seifersdorfer Tal, einem von Christina von Brühl, Schwägerin von Aloys, angelegten Landschaftsgarten findet sich ein ganz ähnlicher Katafalk, sodass zu vermuten wäre, sie hatte auch in Pförten ihre Hände im Spiel.

Glücklicherweise sind die meisten Teile des 2,30 Meter breiten Sandstein-Kolosses noch vorhanden. Was fehlt, wird nachgearbeitet. Bei den Obelisken, die es immerhin auf eine Höhe von etwa fünf Metern bringen und damit eine weithin sichtbare Landmarke waren, fehlt einem die Spitze. Der Sarkophag ruhte auf vier Kugeln - leider verschwunden - und die wiederum auf einem Sockel. Der Untergrund bestand aus Steinen. An seinem Fuße soll es eine Wasserkaskade gegeben haben. "Ob sie je in Betrieb war, können wir nicht sagen", so der in Brody sehr engagierte Forster Verwaltungsvorstand Sven Zuber. Könnte ja aber in Zukunft. . . An den Seiten trägt der Sarkophag die Inschrift "Piis manibus amicorum - durch die treuen Hände der Freunde". Ein besseres Motto könnte sich für das gemeinsame Projekt Brody nicht finden lassen.

Zum Thema:
1740 kaufte Heinrich von Brühl, kurfürstlich-sächsischer und königlich-polnischer Premierminister, Pförten. Vom Dresdner Hof architekten Johann Christoph Knöffel ließ er Schloss und Garten im Stil des sächsischen Rokoko umgestalten. An den Seiten entstanden Kavalierhäuser, eins davon beherbergt ein schönes Hotel und Restaurant, das andere Ausstellungsräume. 1746 erwarb er Forst, was seine Reputation steigerte. Seine drei Schlösser dort hat er allerdings nie bewohnt. 1763 starb er als tragische Figur. Er hatte nicht nur Pförten, sondern auch Sachsen in den Bankrott getrieben.