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Krimi-Kolumne
Düsteres Schwarzwald-Debüt

Franziska Tobler und Friedemann Berg sind im Polizeipräsidium Freiburg ansässig und ermitteln im ländlichen Raum der ganzen Region. Der „Tatort – Schwarzwald 1“ (AT) führt sie in den Hochschwarzwald, wo der Tod eines Mädchens und das Verschwinden eines Jungen in einer kleinen Siedlung Trauer und angsterfülltes Suchen auslösen. Robert Thalheim inszenierte den Tatort, zu dem Bernd Lange das Drehbuch schrieb.
Franziska Tobler und Friedemann Berg sind im Polizeipräsidium Freiburg ansässig und ermitteln im ländlichen Raum der ganzen Region. Der „Tatort – Schwarzwald 1“ (AT) führt sie in den Hochschwarzwald, wo der Tod eines Mädchens und das Verschwinden eines Jungen in einer kleinen Siedlung Trauer und angsterfülltes Suchen auslösen. Robert Thalheim inszenierte den Tatort, zu dem Bernd Lange das Drehbuch schrieb. FOTO: SWR/Johannes Krieg
Der Schwarzwald-Tatort löst den Bodensee-Tatort ab. Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner sind das neue Ermittlerpaar Franziska Tobler und Friedemann Berg und hatten ihren ersten Fall zu lösen. Im schönen, gemütlichen Schwarzwald. Denkste.

Schön und gemütlich ist hier gar nichts. „Goldbach“ kommt düster daher – in jeder Beziehung. Die elfjährige Frieda wird erschossen in einem Waldstück gefunden. Sie war mit den Nachbarsjungen Linus und Paul unterwegs. Die Eltern sind eng befreundet. Doch dann ist Frieda tot, Linus verschwunden und Paul sagt nichts.

Langsam, manchmal fast ermüdend, schleppen sich die Ermittlungen voran und bringen hervor, woran Menschen, die sich gerade noch fast blind vertraut haben, zerbrechen. Die Waffen im Wald kommen aus der Firma im Ort. Der größte Steuerzahler. Die Kontakte reichen bis ins Ministerium. Das Sportschützen-Dorf hat ganze Arsenale im Waffenschrank, unterm Bett oder sonst wo. Und weil sich damit auch Geld machen lässt, hat Pauls Vater Testwaffen aus der Firma gestohlen. Paul kennt das Versteck und zeigt es seinem Kumpel Linus. Der wollte „auch mal so eine haben“. Woher sollte er wissen, dass noch eine Kugel drin ist. Das wusste nicht mal Pauls Vater. Linus spielt und schießt und tötet dabei Frieda. Rein kriminalistisch ist der Tatort Normalkost. „Goldbach“ ist aber weniger Krimi als Psychodrama. Wie hält man Trauer und Angst aus, wenn mit jedem Tag das Misstrauen zu den Vertrauten wächst. Wenn man sich keinen Halt geben kann, sondern jeden Schritt beobachtet, verdächtigt und kränkt, bis am Ende herauskommt, was nie und nimmer sein konnte. Die Schuld ist nah und unbegreiflich und so düster.

Der SWR präsentiert mit den Ermittlern Tobler/Berg in deren ersten Fall ein wenig spektakuläres Duo. Es leidet, zweifelt und verzweifelt mit. Es ermittelt geradeaus in einem Wust von Gefühlen. Es hat bei Weitem schon schlechtere Auftakt-Fälle gegeben.