Kurios, dieser Polizeiruf aus Frankfurt. Nicht wegen des Films an sich. Aber zu Corona-Zeiten wirkt diese deutsch-polnische Ermittlung äußerst fern. Ja, damals, sagt man sich ganz automatisch, ging’s noch einfach über die Grenze. Wie die Geschichte wohl zu Corona-Zeiten ausgegangen wäre?

Sehenswert – ja. Natürlich gibt es Ecken und Kanten, an denen sich der geneigte Logiker stoßen kann. Aber es ist bleibt ein Film.

Der Fall: heftig. Da schneidet ein reichlich verirrter Jugendlicher einer Jugendlichen das Kind aus dem Bauch. Wie um alles in der Welt er so einfach in den OP gekommen ist? Nebensache. Spannend ist es, ihn in seiner extremchristlichen Weltanschauung zu beobachten. Klar, Klischee. Die Polen. Die sind halt super-katholisch. Trotzdem erinnert das Ganze ein wenig an (den natürlich tausendmal besser gemachten) Film „Sieben“ mit Brad Pitt und Morgan Freeman.

Einigermaßen spannend auch: der Nebenstrang. Eigentlich ist es meist nur nervig, die Privatstorys der Ermittler ertragen zu müssen. Glücklicherweise hat Olga Lenski mittlerweile ja offenbar kein Privatleben mehr. Dafür kommt ihr Kollege mit seiner kranken Mutter um die Ecke. Das tut tatsächlich gar nicht so schlecht, weil Raczek bisher doch eingermaßen persönlichkeitslos wirkte. Tada, da ist sie, die Persönlichkeit.

Allzu viel sollte der Zuschauer bei diesem Polizeiruf nicht mitdenken wollen. Als spannender Krimi mit Thriller-Elementen aber taugt er allemal.