ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:36 Uhr

42. Jahrgang
Dresdner Musikfestspiele visionär

 Die Dresdner Musikfestspiele sind mit Visionen in den 42. Jahrgang gestartet.
Die Dresdner Musikfestspiele sind mit Visionen in den 42. Jahrgang gestartet. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Dresden. Von Dietmar Bretz

Als am 16. Mai das Dresdner Festspielorchester mit einem Ausflug in die Gefilde der deutschen Romantik die 42. Dresdner Musikfestspiele eröffnete, war das der Start für nahezu 60 Veranstaltungen, die das bedeutende Musenfest bis zum 10. Juni bereithält. Mit ihrem Chefdirigenten Ivor Bolton vermochten die Musiker sogleich in Webers „Euryanthe“-Ouvertüre einen facettenreichen Bogen zu spannen vom feierlich-lyrischen Auftakt über dramatische Klangbilder bis hin zum jubilierenden Finale. Und René Pape, weltbekannter Bassist, zeigte mit seiner intensiven Gestaltung von Vokalwerken Franz Schuberts – „Prometheus“ sowie ausgewählten Liedern aus dem Zyklus „Schwanengesang“ – die Vielschichtigkeit von Schuberts Liedschaffen.

Betont von Kompositionen der deutschen Romantik geprägt war auch das Gastkonzert des hervorragenden City of Birmingham Symphony Orchestra, in dem neben der 2. Brahms-Sinfonie vor allem Schumanns Klavierkonzert a-Moll einen markanten Akzent setzte. Dies vor allem dank des hochbegabten, erst 27-jährigen Pianisten Kit Armstrong. Gleichwohl hatte Mirga Grazinyté-Tyla, die engagierte litauische Chefdirigentin, ein Werk der klassischen Moderne an den Beginn gesetzt – György Ligetis von Folkloreelementen durchdrungenes Opus „Concert Romanese“.

Pflege traditioneller Werke einerseits. Dennoch richtet das Musenfest mit seinem Leitthema „Visionen“ den Blick auch auf die Gestaltung von Zukunftsbildern. Festspielintendant Jan Vogler, selbst renommierter Cellist, hatte die Idee, mit einem Cellokonzert aus der Feder dreier Komponisten aus drei Kontinenten ein Sinnbild für die kulturelle Koexistenz unterschiedlicher Kulturkreise zu setzen. So überzeugte er den Amerikaner Nico Muhly (Jahrgang 1981), den Deutschen Sven Helbig (Jahrgang 1968) und den Chinesen Zhou Long (Jahrgang 1953), jeweils einen Satz für das Cellokonzert „Drei Kontinente“ zu schreiben. „Es ist völlig natürlich, dass die eigenen Erfahrungen und der kulturelle Hintergrund in die Musik einströmen“, bekannte Muhly. Ist der Kopfsatz von dynamischem Charakter bestimmt, so vermag der melodische Ausdruck des fast romantisch anmutenden Mittelsatzes „Aria“ für sich einzunehmen, während das Finale sich in einen temporeichen Ausklang steigert. Jan Vogler und das von Cristian Macelaru geleitete WDR-Sinfonieorchester hoben engagiert das vielgestaltige Opus aus der Taufe.

Einem Paukenschlag glichen die beiden Gastabende des Orchestra dell‘ Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom mit seinem Chefdirigenten Antonio Pappano. Hatten die Italiener für den 2. Abend Gustav Mahlers gewaltige 6. Sinfonie ausgewählt, so führte das russisch-ungarische Programm des Auftaktkonzertes in Märchen- und Fantasiewelten zwischen Russland und dem Orient. Zu Beginn Modest Mussorgskis der slawischen Mythologie entlehnte Tondichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ in der Originalfassung von 1867. Da entfesselte Pappano mit seinen hervorragenden Musikern das schaurig-düstere Geschehen eines fantastisch-makabren Hexensabbats. Nicht minder beeindruckend Nikolai Rimski-Korsakows „Scheherazade“, Sinfonische Suite nach „1001 Nacht“. Von der exotisch-märchenhaften Aura des Orients inspiriert, schuf der Komponist eine von faszinierenden Klangfarben durchwirkte Tonschöpfung, die die Musiker nuanciert ausleuchteten. Und gar eine Rarität stand im Zentrum des Abends – Bela Bartoks 1. Violinkonzert, das erst Jahre nach dessen Tod uraufgeführt worden ist. Lisa Batiashvili war nun die berufene Interpretin, die sich mit großem Einfühlungsvermögen und technischer Bravour in den Geist des Werkes vertiefte.

Facettenreich ist das noch folgende Programmangebot. So wird das Bayerische Junior Ballett München mit dem „Triadischen Ballett“ des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer sicher für einen Höhepunkt sorgen. Schlemmer strebte die Verbindung von Tanz und Bildender Kunst an. In Stuttgart 1922 uraufgeführt, wird das Werk mit neu komponierter Musik von Hans-Joachim Hespos am 7. und 8. Juni zu erleben sein.

„Klang sehen – Farbe hören – Kandinsky trifft Mussorgski“ – so titelt Nikolai Tokarev seinen Klavierabend am 2. Juni, an dem er Mussorgskis bekannten Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ mit der Bilderwelt des Bauhauskünstlers Wassili Kandinsky zusammenführen will.

www.musikfestspiele.com

 Die Dresdner Musikfestspiele sind mit Visionen in den 42. Jahrgang gestartet.
Die Dresdner Musikfestspiele sind mit Visionen in den 42. Jahrgang gestartet. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert