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| 02:38 Uhr

Dort hat er niemanden erschossen . . .

"Die Ehrlichen" aus Cottbus haben wieder ein Kabarett-Programm vorgestellt.
"Die Ehrlichen" aus Cottbus haben wieder ein Kabarett-Programm vorgestellt. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. In Cottbus ist gestern offiziell das 22. Kabarett-Treffen der Studenten eröffnet worden. Es ist Kernstück des Satirefestivals, dessen Bandbreite vom Kabarett über Film, Lesung, Science Slam bis hin zur Bildenden Kunst reicht. Die Cottbuser Gruppe "Die Ehrlichen" feierte am Mittwoch Premiere. Peter Blochwitz

Zuletzt hatten "Die Ehrlichen" 2011 mit "Taugenichts" ein komplettes Programm am Vorabend des Kabarett-Treffens der Studenten in Cottbus präsentiert. Das Kabarett der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) unter der künstlerischen Leitung von Mathias Neuber lässt sich also Zeit, sortiert sich ja auch immer mal wieder neu, hatte in den vergangenen Jahren eher das komödiantische Theater gepflegt.

Vor der gestrigen "Kabarett Total"-Eröffnungsgala haben nun am Mittwoch "Die Ehrlichen" in der Cottbuser BTU-Mensa die Premiere ihres Programmes "Die Heimkehrer" gefeiert und sind dafür mit langem, freundlichen Beifall belohnt worden. Willkommen zurück auf dem Kabarett-Parkett!

Wobei die Frage bleibt, wie kabarettistisch "Die Heimkehrer" eigentlich sind. Wie 2011 präsentieren "Die Ehrlichen" ein theatralisch geschlossenes Stück, das nicht vornehmlich auf Schenkelklopfer setzt. Hier sind keine Pointenkaskaden zu erleben, ein durchaus ernster Unterton durchzieht das Programm: Zeitreisende aus sehr ferner Zukunft schauen sich Deutschland im Jahr 2017 an. Sie beobachten, wie Christof nach fünf Jahren Afghanistan-Einsatz in die Heimat zurückkehrt und zunächst überhaupt nicht mehr klarkommt. Er hat niemanden erschossen. "Aber ich hätte es gern getan." Und immer noch würde er es tun . . .

Flüchtlinge, ungebremster Kapitalismus, Terrorismus, Politikverdrossenheit, Verlust von Idealen, neue Nationalismen - das alles hängt ja miteinander zusammen und wird so von den "Heimkehrern" thematisiert. Gelegentlich didaktisch, zum Teil aber auch sehr sarkastisch: Es gibt "noch eine Region, in der die Aufnahme von Flüchtlingen reibungslos vonstattengeht: Es ist das unabhängige, friedliche Mittelmeer." Oder: "Ich hänge mich sowieso auf." - "Die Seele baumeln lassen?"

Stark, wie das AfD-Spitzenpersonal karikiert und seziert wird. In dieser Nummer kommt auch am deutlichsten zum Tragen, was der begeisterte Zuschauer Jörg Bräuer nach der Vorstellung der sechsköpfigen Gruppe zusammenfasste: "Ich finde, sie haben darstellerisch stark zugelegt."

Bräuer wiederum hatte am Tag zuvor selbst auf der Mensa-Bühne gestanden und mit dem witzigen Polylux-Vortrag zum Thema "Huhn oder Ei" den Science Slam gewonnen. Gegen drei Mitbewerber konnte er allein mehr als die Hälfte der Publikumsstimmen auf sich vereinen.

Der Science Slam wurde zum fünften Mal ausgetragen, ist also mittlerweile ein fester Programmpunkt der Januar-Satire-Woche in Cottbus. Das gilt erst recht für die Satirische Kurzfilmnacht, die am vergangenen Sonnabend ihre zwölfte Auflage erlebte. Diesmal ging's um "Geld, Spaß Karriere!"

Das Kabarett-Treffen illustrieren zudem zwei Ausstellungen. Der Seemann Nagelritz ist seit vielen Jahren auf den Kabarett- und Kleinkunst-Bühnen unterwegs und war auch schon öfter beim Cottbuser Festival zu erleben. Er erzählt in seinen Programmen von skurrilen Reisen und Begegnungen. Ein Bestandteil sind dabei stets seine Bilder, mit denen er seine Geschichten unterstreicht. Nun zeigt er erstmals seine Malerei: "Gemaltes Seemannsgarn" ist bis zum 18. Februar in der Cottbuser Galerie Haus 23 zu sehen.

Das deutsche Kabarettarchiv mit Hauptsitz in Mainz dokumentierte vor einiger Zeit die ersten 100 Jahre deutsches Kabarett und goss das Resultat in eine sechsteilige Wanderausstellung. Nachdem in den vergangenen Jahren die ersten drei Teile dieser Reihe in Cottbus gastierten, folgt in diesem Jahr Nummer 4. Die umfasst die Jahre 1946 bis 1966 und steht unter dem Titel: "Wir sind wieder wer. Aber wer? - Kabarett im Kalten Krieg". Eine Führung durch die Exposition, die im Audimax-Foyer der BTU bis zum 28. Januar gezeigt wird, gibt es am Sonnabend um 13 Uhr mit dem langjährigen Mitarbeiter des Kabarettarchivs Jürgen Klammer.

www.studentenkabarett.de

Zum Thema:
Der Kabarettkurs der Deutschen SchülerAkademie 2016 wagt einen Blick in die Glaskugel und stellt fest: Die Zukunft wird ein Krisenspaß! Die genaue Prognose ist zu erfahren am Sonnabend ab 15 Uhr in der BTU-Mensa. Der von Tilman Lucke und Martin Valenske betreute Kurs ist zum vierten Mal beim Kabarett-Treffen der Studenten in Cottbus vertreten. Motto: "Hier ist die Zukunft".