ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:24 Uhr

"Doppelmoppel" wird es nicht mehr geben

Johannes Bauer war am 18. Oktober 2014 zum letzten Mal in Peitz. Er spielte mit dem Quartett, zu dem Lotte Anker, Paul Lovens und John Edwards gehörten, in der Malzhausbastei.
Johannes Bauer war am 18. Oktober 2014 zum letzten Mal in Peitz. Er spielte mit dem Quartett, zu dem Lotte Anker, Paul Lovens und John Edwards gehörten, in der Malzhausbastei. FOTO: I. Hoberg
Berlin/Cottbus/Peitz. Johannes "Hannes” Bauer ist am 6. Mai in Berlin gestorben. Er zählte zu den bedeutendsten Posaunisten des Free Jazz und der improvisierten Musik in Europa. Mit verschiedenen Formationen war er immer wieder Gast der Jazzwerkstatt Peitz wie auch im Cottbuser Glad-House. Ingrid Hoberg

Das Konzert am Montag, 13. Mai 2013, in der Cottbuser Veranstaltungsreihe Jazz & Cinema mit dem Familien-Projekt "Bauer 4" war damals lange geplant. Als dann die Brüder Konrad "Conny" Bauer (Posaune), Johannes Bauer (Posaune), Matthias Bauer (Bass) und Louis Rastig (Flügel) aus der nächsten Generation im Glad-House auf der Bühne standen, geriet das von Improvisation und Zusammenspiel geprägte Konzert fast in den Hintergrund. Musiker wie Zuhörer standen am Abend noch unter dem Schock der Nachricht, dass am Tag zuvor, am 12. Mai, Peter "Jimi" Metag, Mitbegründer der Jazzwerkstatt Peitz, im Alter von 62 Jahren in Cottbus gestorben war.

Wenn von diesem Festival des Free Jazz und der improvisierten Musik die Rede ist, dann gehören dazu die Posaunisten-Brüder Conny und Hannes. "Ich erinnere mich noch, wie Johannes das erste Mal mit dem Manfred Schulze Bläserquintett im Rathaus in Peitz gespielt hat - damals noch in Armeeuniform", sagt Ulli Blobel, Veranstalter der Jazzwerkstatt Peitz von 1973 bis 1982, die seit dem Jahr 2011 wieder fortgeführt wird.

Dass Hannes Bauer mit seinen Projekten immer wieder in Peitz wie auch in Cottbus zu erleben war, gehört zu den Konstanten der Free-Jazz-Szene in der DDR. Das waren solche Formationen wie "Doppelmoppel" (1982 gegründet) mit den Bauer-Brüdern an den Posaunen und den beiden Gitarristen Uwe Kropinski und Joe Sachse, die in der vergangenen Woche im Obenkino zu hören waren. Diese vier Könner, vier Solisten, die gemeinsam ihrer Spielfreude frönten - das bleibt unvergessen!

1954 in Halle (Saale) geboren, gehörte Hannes Bauer schon seit den 1970er-Jahren zu den Musikern in der DDR, die sich der improvisierten Musik zuwandten. Das Posaunenstudium brach er ab und absolvierte eine Berufsausbildung zum Tanz- und Unterhaltungsmusiker. Typisch DDR, denn ohne Berufsausweis gab es auch keine Auftrittsmöglichkeiten. Er spielte unter anderem in Gruppen von Manfred Schulze (Saxofon/Klarinette). So gehörte er dem Manfred Schulze Bläser Quintett an, in dem auch Manfred Hering, Paul Schwingenschlögl, Heiner Reinhardt und Gert Anklam spielten. Er arbeitete mit Andy Altenfelder, Christoph Winckel und der Ulrich Gumpert Workshop Band.

Hannes Bauer trat zeitig aus dem Schatten seines Bruders Conny, der als einer der stilprägenden Posaunisten des Free Jazz gilt, entwickelte eine eigenständige, sehr dynamische Musizierweise - und beide ergänzten sich in den verschiedenen Projekten. Das Cottbuser und Peitzer Jazz-Publikum war bei dieser Entwicklung in der progressiven Jazzszene dabei. Dazu gehörte auch die Anerkennung in internationalen Formationen - im Globe Unity Orchestra, in der Peter Brötzmann Group, in der Zusammenarbeit mit Tony Oxley, Ken Vandermark, Radu Malfatti und vielen anderen.

Zahlreiche CDs und Schallplatten gibt es aus dieser arbeitsreichen Zeit, es bleibt für die Zukunft ein Eindruck dieses kreativen Schaffens erhalten. "Drei CDs hat er auf dem Label Jazzwerkstatt veröffentlicht", sagt Ulli Blobel. "Als Hannes Bauer im vergangenen Jahr mit Lotte Anker, John Edwards und Paul Lovens sein letztes Konzert in der Jazzwerkstatt gegeben hat, war er so hoffnungsvoll. Wir schmiedeten Pläne für dieses Jahr - aus diesen konnte nun nichts mehr werden."

Eine Abschiedsfeier gab es bereits im Krankenhaus Havelhöhe, die Beerdigung soll nach Pfingsten stattfinden.