"Ich präferiere eine Ein-Drittel/Zwei-Drittel-Lösung", sagte der Macher der alle fünf Jahre stattfindenden "Weltkunstausstellung" 100 Tage vor Beginn der "documenta 12" in Kassel. Das älteste Stück stamme aus dem 14. Jahrhundert. "Zeitgenössische Kunst kapiert man nur, wenn man weiß, wo sie herkommt. Dann hat man auch eine Ahnung davon, wo sie hingeht." Er wolle nichts Museales zeigen. "Aber Kunst, die älteren Datums ist, ist manchmal unendlich viel aktueller als 90 Prozent dessen, was heute in den Ateliers entsteht."
Die Präsentation älterer Kunst ist laut Buergel Teil des Bildungsanspruchs der documenta. "Wir wollen das Publikum teilhaben lassen an der Entstehung, an der Entwicklung von Formen. Aber wir wollen nicht erklären, erklären, erklären, sondern zeigen." Die Exponate würden für sich sprechen. "An dem Stück aus dem 14. Jahrhundert sieht man, wie sich persische Künstler eine chinesische Formengrammatik zu Eigen gemacht haben. Das sagt faszinierend viel aus über die Entwicklung der Kunst."
Buergel will mit der "documenta 12" auch "versäumte Kunst" zeigen. "Die Ostmoderne ist bei uns kaum gewürdigt worden. Die Afrikanische Moderne hat in der Welt nicht den Platz, der ihr gebührt. Das wollen wir ändern." Auch aus Asien sei eher wenig bekannt: "Jeder kennt die alten Tonkrieger aus China und die angebliche moderne Kunst, diese grässliche Chinamode. Aber was dazwischen ist, wurde und wird kaum wahrgenommen."
Zur "documenta 12" vom 16. Juni bis zum 23. September werden in Kassel mehr als 650 000 Besucher erwartet. Abgesehen von wenigen bereits bekannten Namen sollen die teilnehmenden Künstler erst eine Woche vor Ausstellungsstart bekannt gegeben werden. (dpa/pb)