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Doberlug ist ein Stück von Europa

Zisterzienserklöstern in Europa ist die erste Sonderausstellung nach der Brandenburgischen Landesausstellung im Schloss Doberlug gewidmet. Die Fotografin Eva Kunzmann (l.) aus Bayreuth im Gespräch mit Hannelore Brendel (Bürgermeisterin von Mühlberg) und Heimathistoriker Horst Firme (v.l.).
Zisterzienserklöstern in Europa ist die erste Sonderausstellung nach der Brandenburgischen Landesausstellung im Schloss Doberlug gewidmet. Die Fotografin Eva Kunzmann (l.) aus Bayreuth im Gespräch mit Hannelore Brendel (Bürgermeisterin von Mühlberg) und Heimathistoriker Horst Firme (v.l.). FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Es geht weiter im Schloss Doberlug! Zisterzienserklöster Europas und Schreibstuben der Mönche locken fünf Monate nach der erfolgreichen ersten Brandenburgischen Landesausstellung wieder Besucher ins Schloss Doberlug (Elbe-Elster). Eine ständige Ausstellung ist in Vorbereitung. Heike Lehmann

Die Besucherströme nach Doberlug-Kirchhain, wo Preußen Sachsen küsst, sind verebbt. Doch sie könnten wieder aufleben. Denn Ruhe hat die längste Zeit hinter den dicken Schlossmauern geherrscht. Der Renaissancebau soll als neues Museum und multifunktionales Zentrum einen herausragenden und festen Platz im Kulturleben Südbrandenburgs und darüber hinaus bekommen. Daran wird eifrig gearbeitet - in enger Abstimmung mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die geschichtliche und bauhistorische Bedeutung sowie die Schönheit des Kloster- und Schlossensembles Doberlug rechtfertigen dieses ehrgeizige Ziel. "Die Erwartungshaltung ist groß", spürt der Leiter des neuen Museumsverbundes Elbe-Elster, Dr. Rainer Ernst. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) hofft, so weitere internationale Aufmerksamkeit auf die Elbe-Elster-Region lenken zu können.

Mehrere Sonderausstellungen sollen die Wartezeit hin zu einer ständigen Ausstellung verkürzen. Zum Auftakt gewähren seit Mittwochabend eindrucksvolle Fotos von Eva Kunzmann (Bayreuth) Einblicke in die Welt der Zisterzienser. Als Gründungsdatum des Ordens gilt der 21. März 1098. Das Zisterzienserkloster Dobrilugk wurde 1165 gestiftet. Zu dessen 850. Jubiläum ist die Klosterkirchengemeinde Doberlug vom 26. bis 29. April Gastgeber des 23. Jahrestreffens der "Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland". Der Zusammenhang zur Ausstellung im Schloss ist gewollt. "Die Zisterzienser waren die ersten Europäer. Doberlug ist ein Stück von Europa", bringt es Eva Kunzmann vor etwa 60 Eröffnungsgästen auf den Punkt. Die informativen Begleittexte zu ihren Fotos hat Ehemann Rolf, Lehrer für Deutsch und Geschichte, verfasst. Beide sind seit mehr als 20 Jahren mit Wohnmobil und Kamera den Zisterziensern auf der Spur. Mehr als 200 Klöster haben sie besucht. Ruinen, wie jene in Villers-la-Ville (Belgien), durch die heute Züge fahren, beeindruckende Architektur und noch lebendige Klöster haben sie auf ihre Weise entdeckt. Ein Schreiben vom Erzbistum Bamberg, wo Eva Kunzmann 2007 ihre erste Zisterzienserausstellung gezeigt hat, öffnete ihnen Pforten bis ins Innerste der Klöster. Und so überrascht es nicht, dass die Momente vom unmittelbaren Klosterleben der Nonnen und Mönche am meisten fesseln. Geschichte um Geschichte sprudelt aus Eva Kunzmann hervor. Von den vietnamesischen Mönchen aus Orsonnens (Schweiz) etwa oder dem Kloster Stams (Österreich), das ein eigenes Skigymnasium betreibt. Besonders stimmungsvoll sind die Fotos aus dem Kloster Hauterive (Schweiz), wo Eva Kunzmann um 3 Uhr beim Osterfeuer und bei der ersten Andacht um 4.30 Uhr dabei sein durfte.

Trefflich ergänzt werden die Fotos bis zum 31. Mai von anschaulichen Objekten, die in "Das mittelalterliche Skriptorium", die Schreibstuben der Mönche, führen. Mit ihnen erläutert Dr. Alice Selinger "die materielle Seite der Buchherstellung im Mittelalter, deren Aufwand wir heute kaum noch ermessen können", wie sie betont. Zu sehen sind unter anderem Kielfedern und Rohrfedern, Tintenhörner, Griffel und Wachstafeln. Und man erfährt, wozu die Mönche Ochsengalle, Grünspan und getrocknete Läuse brauchten.

Öffnungszeiten bis 30. August: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Zum Thema:
Zum Museumsverbund Elbe-Elster gehören seit 2015 das Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde und das Museum des mitteldeutschen Wandermarionettentheaters in Bad Liebenwerda - beide seit Jahren als Kreismuseen etabliert. Neu ist das Museum Mühlberg 1547 in Mühlberg/Elbe, das am 25. April nach jahrelangem Umbau und Sanierung eröffnet wird. Bis voraussichtlich Ende 2016 soll im Museum Schloss Doberlug eine ständige Ausstellung installiert sein. Es kooperieren der Landkreis Elbe-Elster und die Städte Mühlberg und Doberlug-Kirchhain.