Nieselregen im Düsteren, schöner hätte die Einstimmung nicht sein können auf den Künstler, der in seinen Songs das Bedrückende und Unfröhliche geradezu kultiviert hat. Schon als Sänger der Indieband The Smiths war er der extravagante Part innerhalb des kongenialen Duos mit Gitarrist Johnny Marr. 1987 zerbrach die Band, weil Marr nicht mehr dem Egotrip von Morrissey folgen wollte, der sich gern als Eigenbrötler und Zyniker stilisierte.
Im Gegensatz zu seinem alten Gitarristenkumpel konnte Morrissey auch als Solist seinen Ruhm mehren und es scheint, als sei der Höhepunkt erreicht. Das Konzert wurde ein Triumph: Der Mann in bester Laune und das 100 Minuten - so viel und so gut gab's Morrissey wohl noch nie. Gleich zu Beginn sang er den Smiths-Klassiker "Panic" mit dem legendären Aufruf "Hang the DJ", zu dem ihn ein Radio-DJ veranlasste, der die Meldung über den Tschernobyl-GAU nur als kurzen Zwischenstop auf dem Weg zum nächsten happy Charthit brachte.
Lange her, aber Morrisseys teilweise bissige Gesellschaftskritik ist geblieben. So wie in "Irish Blood, English Heart", dieser Abrechnung mit der Monarchie im Königreich. Dieser Song gehörte wie "You Have Killed Me" oder "Life Is A Pigsty" zu einem halben Dutzend Stücken von seinen letzten beiden Studioalben "You Are The Quarry" und "Ring leader Of The Tormentors", die er vortrug.
Musikalisch blieben kaum Wünsche offen (ein paar eben doch, weil er schlicht zu viele Hits hat), in der Kommunikation mit dem Zuschauer jedoch keine. Nichts da vom launischen Stiesel, den Morrissey oft genug gab. Stattdessen freundliche Wort für Stadt und Leute vom Briten, dem seine Fans natürlich wie immer rote Lilien - die Lieblingsblumen seines Idols Oscar Wilde - auf die Bühne warfen. Ein Wohlfühlabend für alle Beteiligten, der trotz der sehr rockigen Gangart der Band von einer harmonischen und melancholischen Atmosphäre geprägt war. Die sich vielleicht am besten im Song "Every Day Is Like Sunday" ausdrückte.