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| 15:13 Uhr

Stimmungsvolles Konzert
Mit Maschine im Wunderland

 Kerstin Ott gehört zu den gern gesehenen Gästen, die Dieter Maschine Birr zu seinem Weihnachtsprogramm eingeladen hat. Sie lässt die Welt in Regenbogenfarben erstrahlen.
Kerstin Ott gehört zu den gern gesehenen Gästen, die Dieter Maschine Birr zu seinem Weihnachtsprogramm eingeladen hat. Sie lässt die Welt in Regenbogenfarben erstrahlen. FOTO: Michael Helbig
Dieter Birr und Gäste verbreiten besondere Weihnachtsbotschaft in der Cottbuser Stadthalle. Von Ida Kretzschmar

Es gibt ein Wunderland. Wenigstens an diesem Abend drei Tage vor Weihnachten. Maschine breitet die Arme aus und für ganze drei Stunden lassen Dieter Birr und seine Gäste Eiszeit und böses Blut, Hass und Wut vergessen und streuen Zuversicht unter die mehr als 800 Besucher in der Cottbuser Stadthalle.

Auch nach der Rockerrente der Puhdys folgt Maschine einer schönen Tradition und stiftet Weihnachtsstimmung. Abseits von Kaufrausch und kitschiger Seligkeit. Und dabei ist er keineswegs allein. Wunderbare Musiker unterstützen ihn mit einem unverwechselbaren Sound. Alle scheinen sie irgendwie aus einer Familie zu stammen. Unter ihnen auch Uwe Hassbecker von der Rockgruppe Silly, die gerade ohne Frontsängerin Anna Loos weitermacht. Mit Gitarre und Geige gibt’s von ihm so richtig was auf die Ohren. Ohrenbetäubender Zwischenapplaus ist ihm sicher.

Überhaupt bekommen die Hände hier viel zu tun. Denn jeder der Gäste, die bei dieser Tour „Alle Winter wieder“ mitwirken, verdient seinen ganz besonderen Beifall. Die zehnjährige Gina-Sophie, die schon als kleines Mädchen mit Birr auf der Bühne stand, versteht mit ihrer Geige regelrecht zu zaubern. Berührend ihr „Ave Maria“ gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrer Mutter. Aber als sie mit Hassbecker im Duett Citys Kultsong „Am Fenster“ spielt, da hätte wohl sogar Georgi Gogow an ein Wunder geglaubt.

Dieter „Maschine“ Birr in der Cottbuser Stadthalle FOTO: Michael Helbig

Solcherart ist die Traditionspflege bei dieser Tour, wobei Maschine der neue CD-Name noch nicht so recht über die Lippen will. „Alles hat seine Zeit“ nennt er stattdessen einen Albumtitel der Puhdys aus dem Jahre 2005. Bei 20 Millionen Tonträgern, die die Kultband verkauft hat, kann man schon mal durcheinander geraten. Seine neuen Songs, vorgetragen mit dieser unverkennbaren rauhen Stimme, aber gehen wie eh und je unter die Haut. Etwa wenn „Der alte Wolf“ heimwärts zieht und feststellt: „Ohne Liebe frei zu sein, das hält keiner aus.“

Einen Versprecher nimmt Birr ohnehin niemand übel. Vier Generationen kommen hier auf der Bühne zusammen, da ist immer jemand da, der dem Rockbarden auf die Sprünge helfen kann. Sogar ein echter Prinz. Mit Tobias Künzel, der bekennt, dass er schon als Kind davon geträumt hat, mit Maschine auf der Bühne zu stehen, singt er ein Duett über die Beschwerlichkeit des Schenkens. Und später gibt es auch noch den Prinzen-Hit „Alles nur geklaut“ aufgerauht mit Reibeisenstimme.

Jetzt ist es erst mal aus mit der Besinnlichkeit. Nicht nur auf der Bühne wird getobt. Die Zuschauer jubeln und tanzen, geblendet vom Glanz des Abends und immer wieder auch von den Scheinwerfern, die wie (wohl etwas zu grelle) Sterne und Lichter blitzartig den Stadthallensaal erleuchten.

Als dann noch Kerstin Ott so unglaublich berührend über diese Frau singt, „die immer lacht“, sind die Zuschauer ganz aus dem Häuschen. Scheint auch geradewegs aus dem Wunderland zu kommen, diese unverstellte Sängerin, deren Klickzahlen im Internet durch die Decke gehen, auch, weil sie die Welt in Regenbogenfarben erstrahlen lässt.

Und so ist es eine ganz besondere Weihnachtsbotschaft, die an diesem Abend die Menschen erreicht – humorvoll, hitzig und herzerwärmend. Es sind die „Bilder, die man nie vergisst“, die hier die Leute zusammenstehen und feiern lassen: die Songs aus der „Legende von Paul und Paula“ und auch die Puhdys-Rockhymne „Das Buch“, die so schmerzhaft aktuell vor dem Untergang der Erde warnt. Wobei Birr auch mal augenzwinkernd den alten Hardrocker raushängen und die Eisbären loslässt. Feuerzeuge und Taschenlampen werden geschwenkt. Im Saal rocken und singen die Generationen nebeneinander. Ohohohohoh. In diesem Wunderland wird „angestoßen auf das, wofür unser Herz noch brennt“. Davon kann man nicht genug bekommen. Am Ende, nach Zugaben und stürmischem Applaus, lockt unaufhörlicher, vielstimmiger Gesang aus dem Saal die Künstler auf ganz sanfte Weise noch mal auf die Bühne: „Was bleibt, sind Freunde im Leben.“ Und Gänsehaut.