Und das können die Fans gleich am Anfang, als die fünf Münchener mit „Tausendmal Du“ die Bühne stürmen. Obwohl alle inzwischen um die 50 sind, scheint sich doch nichts verändert zu haben außer der Anzahl der Haare: Die markant hohe Stimme von Sänger Stefan Zauner und das fulminante Soundgebilde lassen den Titel klingen wie damals, 1986, als er zum Hit wurde.
Damals, als die Münchener Freiheit, die aus der Neuen Deutschen Welle herüberschwappte, noch als Popband galt und mehrere Goldene Stimmgabeln abräumte. Heute hört und sieht man die Band eher in Schlagersendungen, obwohl die neuen Titel rockigere Töne anschlagen. Davon werden auch die Cottbuser ordentlich überzeugt, als die Fünf in knallbunten Lichtkegeln von einer „Geilen Zeit“ singen, ein Song aus dem Jahr 2004.
So richtig ruhig ist es nie um sie geworden, beinahe jedes Jahr kam ein neues Album heraus, seit sie 1992 mit „Liebe auf den ersten Blick“ ihren letzten ganz großen Hit lan deten. Vor wenigen Wochen erschien das brandaktuelle Album „XVII“ , aus dem die Münchener Freiheit auch den Lausitzern einige Kostproben bietet. Sie singen sich „Bis ans Ende der Welt“ , lösen ihren „Schwersten Fall“ , schwärmen „Nichts ist wie Du“ und beteuern „Ich will Dich nie wieder verlier'n“ - alles im typischen Münchener-Freiheit-Sound, mit ernsthaften Texten über bedeutungsschwere Begegnungen und ein immer wieder angebetetes „Du“ , verziert mit Melancholie, Sozialkritik und Sehnsucht.

Noch rockiger als früher
Dabei scheint es, dass die Band, die so gar nicht ergraut wirkt, mit mehr Tempo und Sound daherkommt als früher. Stefan Zauner schafft sich neben seinem Gesang am Keyboard, Aron Strobel entlockt der Gitarre krachende Solos, der Bass lässt die Stadthalle beben und auch die anderen holen alles aus ihren Instrumenten heraus. Selbst die Lichtblitze scheinen immer wilder zu werden.
Doch es dauert fast eineinhalb Stunden, ehe die Freiheit das Publikum aus den Sitzen reißen kann. Denn es sind vorrangig die alten Hits, wegen denen sich die Mütter mit ihren erwachsenen Töchtern, die Freundinnen, Ehepaare und vereinzelten Teenager auf den Weg gemacht haben. Doch die Ohrwürmer wie „Herz aus Glas“ oder „So lang' man Träume noch leben kann“ streut die Band anfangs nur spärlich ein.
Aber dann fackeln sie ein wahres Feuerwerk ihrer großen Titel ab, das sogar einige Lausitzer zum Tanz zwischen den Stuhlreihen animiert.
Die „Liebe auf den ersten Blick“ lässt sie in einem Taumel aus purem Glück schweben. Und bei „Ohne Dich (schlaf' ich heut Nacht nicht ein)“ drängen sie bis vor zur Bühne - schließlich war das der Titel, mit dem die Münchener Freiheit 1985 den großen Durchbruch schaffte und der wochenlang auf Platz 2 der Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz blieb.
Und es geht weiter mit „Du bist Energie für mich“ , einem Titel, der sich durchaus auch als Fangesang für Energie Cottbus eignen würde. Die Musiker geben in ihrem Konzert ohne Pause alles, die halblangen Haare von Aron Strobel sind davon ordentlich gezeichnet.

Am Ende ein Gaststar
Dann verabschieden sie sich das erste Mal, kommen aber mit einem „Oldie“ wieder: „Oh Baby“ von 1984 lässt das Publikum feiern, ehe die Münchener ganz in ihrem Stil verkünden: „Bis wir uns wiederseh'n“ .
Dann gehen sie ein zweites Mal und kommen nach alter Manier auch diesmal wieder - mit einem Gaststar. Falco ist in der Figur von Mozart auferstanden und schmettert sein „Rock Me Amadeus“ in die Stadthalle, während Frontmann Zauner ans Schlagzeug gewechselt ist - eine Hommage an den österreichischen Sänger, der im Februar 50 geworden wäre. Und so entlässt die Freiheit ihre Anhänger hinaus in die Nacht, die sie selbst so oft besungen hat - und es auch weiter tun wird. Die neue CD ist dabei in einigen Taschen gelandet: zum Textlernen für das nächste Konzert.