Der Elbe-Elster-Kreis kann auf eine lange Puppentheater-Tradition in seiner Region zurückschauen. Im Bad Liebenwerdaer Kreismuseum wird mit einer Dauerausstellung daran erinnert und Finsterwalde beherbergte einst den bekannten Puppenspieler Max Radestock. Seit 1999 knüpft das jährliche Puppentheaterfestival an diese Tradition an und hat die Puppenspielerkunst zum einzigen Festival dieser Art in der Fläche eines gesamten Landkreises etabliert.

20 verschiedene Puppentheater aus Deutschland, der Ukraine, Großbritannien, Tschechien und Österreich zeigen bis zum 22. September die gesamte Bandbreite des gegenwärtigen Puppentheaters für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Besucher der Eröffnungsveranstaltung im Finsterwalder Gemeindehaus ,,Arche" haben natürlich Bilder des französischen Kultfilms mit dem berühmten Komiker und Charakterdarsteller Fernandel um den katholischen Priester Don Camillo und den kommunistischen Bürgermeister Peppone nach dem Roman von Giovannino Guareschi vor Augen. Schnell werden die Zuschauer jedoch von Markus Dorners fulminantem Spiel mit den Puppen vereinnahmt und erleben den gesellschaftskritischen Stoff um den Machtkampf zweier verbohrter Ideologen auf vergnügliche und oft auch überraschende Art. In der Puppentheaterkulisse von Pulcinella ,,am Arsch der Welt", dem Kuba Italiens, stoßen nicht nur die zwei holzgeschnitzten Köpfe der Darstellerpuppen aufeinander. Bibel und Kommunistisches Manifest werden vom heran radelnden Kirchen- und Gemeindediener (in Personalunion) im Publikum verteilt, damit die Fronten gleich mal klar sind. Beide Sturköpfe rasseln mit schönster Vorhersehbarkeit ständig zusammen. Der eine verteidigt mit Hilfe von ganz oben vehement und schlitzohrig den ,,wahren katholischen Himmel", der andere kämpft verbohrt ,,gegen Kirche, Kapitalitalismus und für den kommunalen Kindergarten'' unter Berufung auf die ,,Internationale". Immerhin schwärmen beide euphorisch für den ,,Hinterschinken von Pulcinella als den besten der Welt". Das Publikum schmunzelt über diese Annäherung und freut sich über Wahlkampf mit allen bösartigen und naiven Tricks. Schließlich wählen sich beide geheim gegenseitig für das Bürgermeisteramt als eine Art Abbitte vor der anderen Ideologie. Man kann ja nie wissen.. Aktuelle Bezüge sind von Markus Dorner durchaus beabsichtigt. ,,Die Welt ist voller Menschen, die Wasser predigen und Wein trinken."

Puppenspieler Dorner schafft den ständigen Rollenwechsel mit Bravour, er spielt die Geschichte voller Temperament und bringt sich als Figur mit eigenem Witz ein. Zum Glück endet der Kampf zweier Holzköpfe nur im Glockenkrieg von Kirch- und Rathausturm. Manifest und Bibel können wieder eingesammelt werden. Das Publikum ist begeistert und der Puppenspieler erschöpft.

Die Festivalwoche hält zahlreiche Höhepunkte bereit. ,,Was Rotkäppchen schon immer über Sex wissen wollte", verrät das Wiener Dachtheater, mit ,,1944 - es war einmal ein Drache", erzählt das Tandera-Theater Tesdorf eine wahre Geschichte aus dem Konzentrationslager Ravensbrück, das Kleine Salontheater Dresden bietet ,,Die Zauberflöte" und Laschis Kaspertheater Babelsberg ,,Klassik für jedermann".

www.puppentheaterfestival.de