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| 18:49 Uhr

Die Zukunft wird ein Krisenspaß

Die PoEnten aus Magdeburg haben in Cottbus ihre Abschiedsvorstellung gegeben.
Die PoEnten aus Magdeburg haben in Cottbus ihre Abschiedsvorstellung gegeben. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Der satirische Lesebühnenbrunch hat am Sonntag den Schlusspunkt unter das 22. Kabarett-Treffen der Studenten in Cottbus gesetzt. 27 Gruppen und Solisten aus zwölf Bundesländern haben vor etwa 3200 Zuschauern rund 30 Stunden Kabarett zelebriert. Peter Blochwitz

Da ist sie wieder mal viel zu schnell vorbei, die jährliche Cottbuser Satire-Woche im Januar: Kurzfilmnacht, zwei Ausstellungen (die noch eine Weile laufen), Science Slam, Premiere des Cottbuser Ensembles Die Ehrlichen und dann ab Donnerstag volles Rohr Kabarett. Das war wieder intensiv, das tat wieder richtig gut.

Sechs der 27 Teilnehmer waren erstmals dabei. Die Musikkabarettistin und "Freizeitrebellin" Turid Müller aus Hamburg beispielsweise hatte Kostproben ihres allerersten Programms im Gepäck. Ihr Unwort des Jahres 2017 steht schon fest: "aber". Denn es hat sich eingebürgert, zu sagen: "Ich habe ja nichts gegen . . . , aber . . . " Turid Müller konnte etwa mit dem "Überstundenhotel" und der "Angsthotline" für AfD-Politiker Alexander Gauland punkten. Ihr Programm hatte aber doch Längen, könnte zudem ein bisschen Leichtigkeit vertragen.

ROhrSTOCK wiederum ist das erfahrenste Ensemble im Teilnehmerfeld: 1971 gegründet, das älteste Studentenkabarett Deutschlands und als einziges zum 22. Mal beim 22. Festival in Cottbus am Start gewesen. Die Truppe lieferte gewohnt routiniertes Studentenkabarett, spielte souverän, wenngleich nicht alle Pointen so richtig zündeten.

Die Rostocker bleiben uns hoffentlich noch lange erhalten. Was ja überhaupt nicht selbstverständlich ist. Es gibt ja logischerweise Fluktuationen an Unis und Hochschulen, und manchmal ist dann eben Schluss: Die Magdeburger PoEnten haben in Cottbus ihre Abschiedsvorstellung gegeben, zeigten ein feines Best-of-Programm.

Immer wieder gibt's Entdeckungen, da bleibt einem der Mund vor Erstaunen offen. Festival-Neuling Mattias Engling aus Essen hat sich mit seinem 45-Minuten-Monolog unter dem Motto "Nichstdestowenigertrotz" sofort in die Herzen der Zuschauer gespielt (siehe Extra-Text), wo sich unter anderen die wortwitzigen Musikkabarettisten Lennart Schilgen aus Essen ("Liegenbleiben-Blues") und die aus dem Thüringischen stammende, in München gelandete Christin Henkel ("Ja, die Birte, die kann saufen!") schon längst eingerichtet haben.

Seltsamerweise viel mehr Mühe, Aufmerksamkeit zu erwecken hat das Kabarett-Ensemble der Deutschen Schülerakademie. Unter der Leitung der (selbstverständlich auch Cottbus-)erfahrenen Berliner Kabarettisten Tilman Lucke und Martin Valenske haben Schüler aus ganz Deutschland in einem 14-Tage-Kurs das Programm "Die Zukunft wird ein Krisenspaß" erarbeitet und am Samstagnachmittag dargeboten. Und das kann sich problemlos auch auf der großen Abend-Bühne sehen lassen! Was für eine Qualität, nun schon zum vierten Mal! Das Festival ist ansonsten ausverkauft, aber die Resonanz auf dieses Programm ist leider viel zu dürftig. Wo bleiben allein die Lehrer und Schüler der Region?

Zum Thema:
Ines und Frank Schulze aus Spremberg: Uns hat Mattias Engling sehr gut gefallen. Was dieser junge Mann aus sich rausholt!Ralf Siewert aus Kolkwitz: Sehr professionell: Christin Henkel. Intellektuell anspruchsvoll: Mattias Engling.Beatrix Fischer aus Cottbus: Christin Henkel ist so ein zartes Wesen - und da kommen so freche Sätze raus!Peter Blochwitz aus Cottbus: Ich schließe mich meinen Vorrednern vollinhalttlich an.