Aber das Ereignis rollt langsam an und auch der Widerstand gegen seine Begleiterscheinungen, selbst wenn die als Kulturprogramm daherkommen. So wie das Popkick.06-Fes tival, bei dem während der Weltmeisterschaft im Treptower Park täglich ein Konzert mit Musikern aus allen am Turnier beteiligten Nationen stattfinden soll.
Wenn das mal so einfach wäre, denn da gibt es ja noch den Bürger in seiner Eigenschaft als unfreiwillig Betroffener. Die Spezies des Anwohners schlägt wieder zu, natürlich mit einer offiziellen Beschwerde. Von wegen die Welt zu Gast bei Freunden. Sie ist zu Gast bei ruhebedürftigen und -gewohnten deutschen Bürgern, die es wohl am liebsten hätten, wenn sich die Fans im Stadion alle LaOla-schunkelnd anfassen und die Fans draußen in Zimmerlautstärke vor dem Fernseher sitzen würden, um sich die Spiele anzuschauen.
Es heißt ja, in den nächsten 50 Jahren würde es kein so großes Ereignis mehr in Deutschland geben. Wer kein Fußballfan ist, dem kann das aus gutem Grund wurscht sein. Aber die Vehemenz, mit der die Beschwerdeführer die Ruhe im relativ abgeschiedenen Stadtpark erhalten wollen, ist beachtlich. Da werden auch die Toten am Sowjetische Ehrenmal ins Spiel gebracht. Leider kann man die in einem von hasserfüllten Deutschen angezettelten Krieg gefallenen Sowjetsoldaten nicht fragen, ob ihnen ein friedliches Fest von Menschen vieler Nationen vielleicht sogar gefallen hätte.
Interessanterweise war übrigens im einstigen UdSSR-Bruderstaat DDR niemand auf die Idee gekommen, die Toten der Roten Armee könnten durch Barclay James Harvest oder Bob Dylan während deren Konzerte 1987 auf der benachbarten Wiese in ihrer Ruhe gestört werden. Aber gut, man war auch clever vorgegangen. Der legendäre Dylan-Auftritt hieß offiziell "Friedenskonzert der FDJ".