Der Schweizer mokiert sich ("provinzielle Kleinkunstwelt"), die "Bild"-Zeitung berichtet, und auch Thomas Gottschalk versucht zu lästern ("das braucht kein Mensch"). Soweit also alles im Plan für einen kleinen Skandal.

Am Samstagabend, ein knappes Jahr nach dem Freispruch für Kachelmann, hatte das Werk "Kachelmanns Rashomon" Premiere. Das "Theater Felina Areal" ist kleiner als der Saal 1 des Mannheimer Landgerichts, in dem gegen Kachelmann verhandelt wurde - die Anklage lautete auf Vergewaltigung. Genau 61 Zuschauer passen in den Raum. Autor und Regisseur Sascha Koal hat ein Zwei-Personen-Stück inszeniert. Gegen Ende wagen sich die Darsteller Sarah Gros und Dirk Mühlbach in den Rollen von Kachelmann und seiner Geliebten an die Darstellung der angeblichen Tatnacht - zunächst so, wie er sie geschildert hat, dann in ihrer Version. Es geht, wie es im Stück selbst heißt, "um die Vielschichtigkeit von Wahrheit und um die prinzipielle Brüchigkeit von Wahrheit". Der Titel des Stücks spielt auf den sogenannten "Rashomon-Effekt" an (nach einer dem Titel einer Erzählung des japanischen Autors Akutagawa Ryunosuke): Es geht um die Verwirrung, die entsteht, wenn ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven geschildert wird.

Die beiden Schauspieler stellen in den rund anderthalb Stunden eine Vielzahl von Rollen dar: den "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und seine Kolumnistin Alice Schwarzer, eine Gutachterin vor Gericht, den sich selbst reflektierenden Theaterautor - und immer wieder Kachelmann und seine Geliebte, auch wenn der Name des Moderators im Stück selbst nicht genannt wird. Doch von Anfang an ist klar: "Die Wahrheit kennen nur zwei Menschen. Und daran wird auch dieser Abend nichts ändern."

Der Applaus der knapp 60 Zuschauer im ausverkauften "Theater Felina-Areal" war durchaus wohlwollend, aber nicht frenetisch.