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| 12:54 Uhr

Rocklegende
So ähnlich wie Real Madrid

Spielen fast so lange zusammen wie die Rolling Stones: Omega.
Spielen fast so lange zusammen wie die Rolling Stones: Omega. FOTO: Agentur
Cottbus. Die ungarische Kultband Omega kommt am 4. Mai zum Konzert in die Cottbuser Stadthalle. Von Gunnar Leue

Omega haben Ähnlichkeit mit einem Fußball-Club, sagte Bandleader János Kóbor vor einigen Monaten, das Wichtigste sei der Name Omega. So wie Real Madrid schon etliche Mannschaften mit unterschiedlichen Stilen gehabt und trotzdem immer Real Madrid sei, so habe auch Omega von den Anfängen vor 56 Jahren bis heute weit über ein Dutzend Bandmitglieder gehabt und verschiedene Stile gespielt. Es sei aber immer unverkennbar Omega geblieben.

Tatsächlich ist Omega eine Marke in der Musikwelt, die größte in der des ehemaligen Ostblocks – und insofern ist der Vergleich mit Real Madrid keineswegs unangemessen. Zumal die Ungarn nicht nur im selben Jahr mit ihrer Musik anfingen wie die Rolling Stones und die Beatles, sondern sogar einen Plattenvertrag beim Stones-Label Decca hatten. Nicht nur deshalb galt die Band als Supergroup des Ostblocks. Zu ihren regelmäßigen Gigs im Budapester Kiss-Stadion pilgerten auch viele Fans aus der DDR. Das lag nicht nur an der Musik, sondern auch an der für nichtwestliche Verhältnisse außergewöhnlichen Show. Mit bombastischem Sound-, Licht- und Lasereinsatz setzten die Ungarn ihren Hard- bis Space Rock in Szene. Nicht nur in ihrer Heimat ist ihr Weg mit zahlreichen Goldenen Schallplatten gepflastert, sogar im Westen kam der Hungaro Rock erstaunlich gut an. Insbesondere der 1969 von Keyboarder Gábor Presser (der 1971 aus der Band ausstieg) geschriebene Titel „Gyöngyhajú lány“, zu deutsch „Perlen im Haar“, sorgte überall für Furore. In der DDR adaptierte ihn Schlagerstar Frank Schöbel und machte seine Version „Schreib es mir in den Sand“ ebenfalls zum Hit.

Gut zwanzig Jahre später gelang den Scorpions dasselbe mit ihrem abgeleiteten Song „White Dove“. Als Referenz an die eigentlichen Hitlieferanten aus Ungarn traten Klaus Meine und Rudolf Schenker 1994 als Gastmusiker im Omega-Konzert vor 70 000 Zuschauer im Budapester Népstadion auf.

 In der DDR – wo 1972 erstmals eine Amiga-Platte erschien und das erste Mal ein Konzert der Gruppe stattfand - hatten Omega zwar immer unzählige Fans, allerdings weniger unter den Kulturfunktionären, nachdem die Band auch in der Bundesrepublik Erfolge feierte. Deshalb erhielten Omega kaum noch Einladungen. Das letzte Konzert in der DDR fand 1983 statt, nur vier Jahre vor der Auflösung der Band, deren Sound inzwischen seinen Zeitgeist aufgegeben hatte. New Wave brach auch über den Osten hinein.

 Dass die Band nicht vergessen wurde, zeigte sich 2005 bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland nach 22 Jahren. Das Open Air-Konzert in Landsberg war sofort ausverkauft, was Omega bewog, fortan immer wieder Abstecher auf die hiesigen Bühnen zu machen. Am 4. Mai kommen sie nach Cottbus in die Stadthalle. Im Gepäck haben sie dann auch Equipment auf dem neuesten technischen Stand, das sie nicht mehr selber basteln müssen. Weil die Westtechnik so teuer war, hatten sie auch viel nachgebaut und angeblich sogar den ersten PC noch vor Apple-Gründer Steve Jobs gebaut: mit einem Fernseher und einer Schreibmaschinentastatur. Da waren die Ungarn eben auch pfiffig, das kennt der einstige DDR-Fernsehgucker ja auch noch vom Bastelradio Budapest aus der Trickfilmserie „Adolar“.