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| 08:19 Uhr

Peking
Die Toten Hosen in China zensiert

Peking. Der Düsseldorfer Band durfte im Reich der Mitte ihr "Liebeslied" nicht spielen. Jan Grüschow

Der Düsseldorfer Band durfte im Reich der Mitte ihr "Liebeslied" nicht spielen.

Beim ersten Konzert der Toten Hosen in China ist die Rockgruppe um Sänger Campino umjubelt worden. Die Musiker traten jetzt auf dem "Yugong Yishan"-Festival vor den Toren Pekings auf. Unweit der Großen Mauer bei Yanqing spielten sie als eine der Hauptattraktionen der zweitägigen Veranstaltung vor gut tausend Zuschauern. Dauerregen und Wind beeinträchtigten den ersten Tag des Open-Air-Festivals. Doch die Bands liefen zur Hochform auf und heizten dem Publikum ordentlich ein.

"Schade, dass es nicht glücklicher laufen konnte", sagte Campino, "aber andererseits ist es auch so, dass wir genau dafür da sind, solche Leute zu unterstützen, die von selber was versuchen hinzustellen", meinte der Sänger über die Organisatoren. "Auch gegen die Schwierigkeiten der Institutionen anzukämpfen, dafür stehen wir ja da, und das machen wir gerne."

Neben Hits wie "Eisgekühlter Bommerlunder" und "Hier kommt Alex" spielten Die Toten Hosen auch Stücke vom jüngsten Album. Campino berichtete, dass die chinesische Zensur die Songs vorher überprüft und auch einige nicht zugelassen habe. So konnte die Gruppe den Song "Liebeslied", in dem es um eine Straßenschlacht in Berlin geht, nicht spielen. Andere Lieder waren kein Problem. Campino zeigte sich gelassen: "Es ist die Art und Weise, wie du etwas bringst. Du kannst ein völlig harmloses Lied so singen, dass die Leute eine andere Verbindung dazu haben und den Subtext verstehen. Der Subtext kann nie gestrichen werden."

Die 1982 gegründeten Toten Hosen waren nicht die einzigen Vertreter aus Deutschland auf dem Festival. The Notwist aus Oberbayern hatten den Zuschauern am Nachmittag ausgefeilten Indierock geboten. Bevor die Truppe um Campino das Programm des Tages beendete, spielte die Pekinger Band Re-Tros. Nach dem Festival-Auftritt gaben Die Toten Hosen noch ein spontanes Aftershow-Konzert in der Pekinger Punkrock-Bar "School", wo die chinesische Musikszene zu Hause ist. Schließlich gehe es der Band bei ihren Auslandsreisen vor allem darum, die Menschen vor Ort kennen zu lernen, so Campino. Morgen wird die Band noch in der asiatischen Hafenmetropole Hongkong spielen.