Herr Ishizaka, es heißt, Sie seien ein Genie . . .
(Augenbrauenrunzeln.)

. . . wie gehen Sie mit den Erwartungen um, die auf Ihnen lasten„
Die Erwartungen, die mich am meisten unter Druck setzen, sind meine eigenen. Ich habe einen Anspruch, den ich bislang nicht erfüllen konnte und hoffentlich auch nie erfüllen werde. Denn an dem Punkt, an dem man glaubt, fertig zu sein, endet die künstlerische Weiterentwicklung.

Stimmt es, dass der Pole Krzysztof Penderecki Ihnen eine neue Komposition widmen will“
(Augenbrauenrunzeln.) Das trifft die Realität nicht ganz. Penderecki ist immerhin schon 75 Jahre alt und hat schon viel für Cello geschrieben - im Vergleich zu anderen lebenden Komponisten. Richtig ist, dass ich mit ihm arbeite. Im Juli werde ich beim Rheingau Musik Festival wieder unter seiner Leitung spielen.

In Cottbus sind Sie bereits in den Jahren 2004 und 2006 aufgetreten. Wie kam der Kontakt zum Staatstheater zustande„
Beim ersten Mal bin ich eingesprungen. Ich freue mich, dass eine weitere Zusammenarbeit entstanden ist.

Morgen sind Sie Solist bei der Aufführung des Violoncellokonzerts Nr. 2 von Bohuslav Martinu. Dieser moderne tschechische Komponist ist wenig bekannt. Was reizt Sie an dessen Musikstück“
Generalmusikdirektor Reinhard Petersen hat vorgeschlagen, Martinu zu spielen. Mir gefällt an dessen Komposition die große Vielseitigkeit. Sie hat folkloristische, tänzerische, aber auch nachdenkliche Elemente. Martinu floh im Zweiten Weltkrieg vor den deutschen Truppen aus Paris in die USA. Das Heimweh ist in dem 1945 entstandenen Werk zu spüren.

Ihnen wurden von Stiftungen zwei wertvolle Celli anvertraut: Ein neues, von Wolfgang Schnabl gebautes, das zuvor Boris Pergamenschikow gespielt hat, und ein Stradivari-Cello aus dem 17. Jahrhundert. Welches verwenden Sie in Cottbus„
Das Stradivari. Es hat einen besonders warmen, runden Klang. Im Unterschied zum Schnabl darf man bei ihm nicht zu viel Power geben, sonst verschließt sich sein Klang.

Macht es Sie nervös, wenn Sie auf Konzertreisen solche Schätze mit sich herumtragen“
Ich versuche, nicht dauernd daran zu denken, dass ich gerade etwas Kostbares in der Hand habe. Allerdings bin ich verpflichtet, die Celli immer bei mir zu haben.

Wo ist das Stradivari jetzt gerade„
(Danjulo Ishizaka deutet auf ein Sofa, das etwas abseits steht. Darauf liegt tatsächlich das ehrwürdig patinierte Instrument.)

Was machen Sie mit ihm, wenn Sie in die Kneipe gehen“
Dann habe ich es dabei - wie überall, wo ich gehe und stehe.

Sie sind an Ihr Cello gefesselt. Haben Sie ein erotisches Verhältnis zum Instrument„
(Starkes Augenbrauenrunzeln.) Auf keinen Fall. Das Stradivari sieht zwar wunderschön aus. Aber ein Instrument ist nur ein Instrument. Die Musik zählt.

Immerhin sollen Sie sehr leidenschaftlich sein, wie ein Raubtier mit Ihrem Cello umgehen . . .
(Stärkstes Augenbrauenrunzeln.)

. . . einmal sei deshalb mitten im Konzert eine Saite gerissen.
Wenn man mit dem Bogen in Rage ist oder kräftiges Pizzicato spielt, kann das passieren. Saiten halten nicht ewig. Paganini hat seine Violinsaiten extra angeritzt, damit sie effektvoll zerspringen. Während das Publikum den Atem anhielt, spielte er manchmal auf nur noch einer Saite weiter.

Bei welchem Komponisten fühlen Sie sich am meisten zu Hause“
Bei Beethoven - wegen der Stärke seiner musikalischen Charaktere. Am Dienstag spiele ich seine Sonate op. 69 in Beirut.

Gute Weiterreise nach dem morgigen Auftritt.
(Händeschütteln. Der Cellist lässt eine Schutzhülle über das Instrument gleiten.)

Mit DANJULO ISHIZAKA
sprach Felix Krömer

Beim 5. Philharmonischen Konzert
im Großen Haus des Cottbuser Staatstheaters stehen morgen
das Violoncellokonzert Nr. 2 c-Moll op. 37 von Bohuslav Martinu und Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 auf dem Programm. Restkarten unter Telefon 0 18 03/44 03 44.
Mehr über den Cellisten unter: www.danjulo-ishizaka.com