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| 18:25 Uhr

Die Stimme und Subversionen im Jazz

Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky kommen nach Peitz – auch dabei Matthias Bätzel (l.) und seine Trio-Kollegen.
Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky kommen nach Peitz – auch dabei Matthias Bätzel (l.) und seine Trio-Kollegen. FOTO: I. Hoberg
Peitz. Mit der 52. Ausgabe der Jazzwerkstatt in Peitz werden im Juni die Themen "Die Stimme" und "Subversionen" im zeitgenössischen Jazz aufgegriffen. Das musikalische Konzept verbindet sich mit bildender Kunst und Dichtung. Ingrid Hoberg

Wie subversiv ist der zeitgenössische Jazz? Diese Frage nimmt der Besucher mit auf das Festival, das im Juni wieder zum östlichen Anziehungspunkt für improvisierte Musik wird. Peitz und Subversion gehören für diejenigen, die die Konzerte, Open Air und im Kino, in den 1970er- und 80er-Jahren besuchten, naturgemäß zusammen. Wer nach Peitz fuhr, wollte anderes erleben als das, was der staatliche Unterhaltungsbetrieb bot. Der Duft der Subversion wurde ja auch geradezu von den Behörden gewittert.

Doch was ist Subversion heute? Das Konzept der Jazzwerkstatt sieht Peitz 2015 als Spiel-Anleitung zu subversivem Hören und Denken. Jazz, Kunstprojekte und Dichtung treffen aufeinander. Was daraus geworden ist, lässt sich nach einem prallen Musik-, Diskussions- und Performancewochenende resümieren.

Wie gewohnt wird das Festival am Freitagabend mit einem Konzert in der Stüler Kirche eröffnet. Mats Gustafsson & Fire! Orches tra mit fast 20 Musikern werden erwartet. Gustafsson ist als Saxofonist einer der bedeutendsten Vertreter des schwedischen Free Jazz. Sein Stil ist stark beeinflusst durch den Wuppertaler Peter Brötzmann. Der Name der Band ist Programm, inklusive der Sängerinnen. Im anschließenden Konzert in der Malzhausbastei ergänzt die ukrainische Sängerin Uliana Horbachevska, die im Dezember im Cottbuser Glad-House mit Ultramarine zu hören war, das Trio Christoph Winckel, Matthias Schubert, Oliver Steidle.

Sängerin Vesna Pisarovic und Jazzpool NRW "Balkan Cantus" sind am Samstag im Festungssaal zu hören. Die jetzt in Berlin lebende Sängerin aus Kroatien, mit Wurzeln im Punkrock und einer Mega-Karriere in der Popszene ihrer Heimat, ist ebenfalls durch Brötzmann beeinflusst. Nach einem seiner Konzerte, das sie in Amsterdam hörte, wandte sie sich der improvisierten Musik zu und hat unter anderem auch ein Projekt, in dem sie Elvis-Presley-Songs jazzig interpretiert.

Wenn es um Stimmen im deutschen Jazz geht, dann dürfen Uschi Brüning und Ruth Hohmann nicht fehlen. Dazu stößt mit Jacqueline Boulanger eine Hohmann-Schülerin, die Berlinerin mit französisch-afrikanischen Wurzeln. Und man darf gespannt sein, was passiert, wenn der Autor und Sänger Wiglaf Droste auf Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky trifft. Er hatte sie schließlich, ohne zu fragen, zu seinen ostdeutschen Adoptiveltern gemacht (nachzuhören auf einer Buschfunk-CD).

Die Helge-Leiberg-Ausstellung "Subversion" wird in Peitz zu sehen sein. Der gebürtige Dresdner ist bildender Künstler und beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren auch mit anderen Medien wie Free Jazz, Neuer Musik, Tanz und Film und den multimedialen Einsatz. So gestaltete er 2010 auf Schloss Hardenberg die Performance "Kassandra" mit Christa Wolf.

Zum Abschluss der Jazzwerkstatt gibt es am Sonntag wieder die Jazzmesse. Beim Jazzfrühschoppen können dann die Eindrücke des subversiven Wochenendes Revue passieren, wenn Alan Skidmore, Johannes Fink, Ernst Bier und andere jammen.

Zum Thema:
Die Jazzwerkstatt Peitz 52 findet vom 12. bis 14. Juni statt. Veranstaltungsorte sind die Stüler Kirche, die Malzhausbastei, der Festungssaal, Markt 5 und die Festungsscheune. Der Festivalpass für 70 Euro ist ab sofort erhältlich und kann bestellt werden unter info@jazzwerkstatt.de. Das komplette Programm ist zu finden auf der Homepage www.jazzwerkstatt.eu.Vom 12. bis 30. Juni ist die Ausstellung "Free Jazz in der DDR - Weltniveau im Überwachungsstaat" in der Stüler Kirche zu sehen. Vernissage der Helge-Leiberg-Ausstellung "Subversion" am 13. Juni, 12 Uhr, Markt 5.