Während viele Autoren seiner Generation in Russland längst vergessen sind, bildet Rasputins Erzählung über einen Weltkriegs-Deserteur ("Leb und vergiss nicht") die Vorlage für einen neuen Kinofilm. Auch Moskaus führende Theaterbühnen haben Valentin Rasputin wiederentdeckt.
"Die kleinen Helden der Rasputinschen Prosa erinnern uns daran, was den Mensch zum Menschen macht: Mut, Würde, Geduld und Glaube", heißt es in einer Würdigung des Autors. Bis heute liegen Rasputin Sibirien und der Baikalsee am Herzen. Die Pläne des Kremls, eine neue Ölpipeline in Richtung China unmittelbar am Ufer des ältesten und tiefsten Süßwassersees der Erde zu bauen, geißelte Rasputin als "ein Verbrechen". Nicht zuletzt dank seines Engagements ordnete Präsident Wladimir Putin 2006 persönlich eine Umgehungsroute an.
Das sibirische Dorf ist für den Schriftsteller Rasputin stets der Mittelpunkt der Welt gewesen. Das harte Bauernleben in der weiten, reichen und doch bedrohten Natur Sibiriens lieferte den Stoff für seine ersten Romane in 1970er-Jahren. In "Abschied von Matjora", in deutscher Übersetzung 1977 erschienen, erzählt Rasputin vom vergeblichen Widerstand einer alten Bäuerin gegen die Zerstörung ihrer Heimat durch einen modernen Staudamm. Der Roman, der auch verfilmt wurde, gilt als ein Hauptwerk der "Dorfprosa" in der neueren russischen Literatur.
Mit der "Perestroika", der Umgestaltung unter Generalsekretär Michail Gorbatschow, und mit den marktwirtschaftlichen Reformen unter dem russischen Präsidenten Boris Jelzin riss der Strom der Dorfliteratur ab. Angesichts der Verelendung des modernen Russlands brach sich bei Rasputin ein tiefer Kulturpessimismus Bahn. Anfang der 1990er-Jahre verstummte Rasputin als Autor fast, dafür wetterte er als Publizist gegen den moralischen Verfall und die Überfremdung Russlands. Zuletzt erschien die Erzählung "Iwans Mutter, Iwans Tochter" (2004) über die Schwierigkeiten einer gewöhnlichen russischen Familie in der neuen Zeit.
(dpa/pb)