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| 16:15 Uhr

Ausstellung
Die Spur verlorener Gedanken

Spur verlorener Gedanken
Spur verlorener Gedanken FOTO: Margret Holz
Berlin . Ausstellungen in der Berliner Inselgalerie unter anderen mit Margret Holz, die in Berlin und Forst lebt. pm

Christine Düwel und Margret Holz sind Alchimistinnen. Sie suchen dort, wo unsere Orientierung gewöhnlich eine Grenze zieht, nach Verbindung und Zusammenhängen und eröffnen so neue Möglichkeiten der Wahrnehmung. Ihre Arbeiten kommen nicht aus der Nacht des Intuitiven, Unbewussten, sondern sind das Ergebnis langer Recherchen und philosophischer Auseinandersetzungen. Beide Künstlerinnen arbeiten thematisch in Serien.

Das Thema von Margret Holz (Jahrgang 1942) ist die Stadt, im weitesten Sinne. Die Stadt als Konstruktion, die prägt und Prägungen erfährt und dadurch einen Charakter entwickelt, der sich auch wandeln kann. Als Kriegskind ist sie 1959 auf dem Weg zur Kunsthochschule noch an den Trümmerbergen in Hannover vorbeigefahren. Sie wurde Malerin, entfernte sich aber immer weiter von der Wand. Das begann mit Installationen in den 90er-Jahren, in denen sie Rinderschädel verwendete. „Stadtgründungen geschahen häufig dort, wo der Rinderkarren zerbrach“ erklärt sie zu diesen Arbeiten. Da war sie bei ihrem Thema, ohne zu ahnen, dass es sie über Jahrzehnte beschäftigen würde. Später folgten Plastiken. Margret Holz versteht auch ihre Druckgrafiken als Bildhauerei. In der Serie „ciel impasse“ untersucht sie die Himmelsausschnitte zwischen den Häuserwänden in unterschiedlichen Städten. In den 80er-Jahren in Paris begann ihre Auseinandersetzung mit dem Passagen-Werk Walter Benjamins. Auch da wieder Reflexionen zur Stadtentwicklung, zu Urbanität. Ihre Einzelplastiken denkt Margret Holz weiter und erschafft daraus Konstellationen und Kulminationen. Sie schätzt besonders Magdalena Abakanowicz, Pierre Soulages und Lawrence Weiner. Margret Holz lebt und arbeitet in Berlin und Forst.

Die 1962 geborene Berlinerin Christine Düwel, die neben Bildhauerei und Grafik auch Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat, sucht eine Sprache für das Unsichtbare, die Stille, akustische Schwingungen und Musik. Notenpapiere und Notenlinien tauchen fragmentarisch, zeichenhaft, manchmal übermalt im Hintergrund ihrer Arbeiten auf. Doch ihre Werke beziehen sich nicht auf einzelne Kompositionen. Ebenso wenig geht es ihr um die Komposition eines Bildklangs. Sie spielt vielmehr mit der Stille der Bilder, mit der Abwesenheit des Hörbaren. Sie probiert das Unsinnige, Paradoxe, in dem das eigentlich Bedeutende geschieht, ganz im Sinne des berühmten Klavierwerkes 4’33 von John Cage.

In den „nächtlichen Briefen“ formen sich Funken im Dunkel. Schichtungen brechen auf. Gedankengrau wühlt. Über dieses Chaos laufen weiche, ordnende Linien. Es könnten die Zeilen des Briefes sein oder Musik… In „Vortrag über etwas und nichts“ tönt warmes Rot-Rosé – und Orange im Blatt-Raum aus, vielleicht gefangen von den angedeuteten Ohren, vielleicht nicht.

Ebenfalls ab dem heutigen Mittwoch ist die erste Kabinett-Ausstellung der Inselgalerie zu sehen: Scherenbilder und Collagen von Regina Gebhard. Die heute 90-jährige Berliner Künstlerin schuf in der DDR  Scherenbilder und Zeichnungen für die ABC-Zeitung und das Fernsehen der DDR. Ihre freien Arbeiten, die auf zahlreichen Urlaubsreisen und nach ihrer Berufstätigkeit entstanden, zeigte sie kaum in Ausstellungen. Dabei schuf sie ein reiches, vielseitiges Œvre aus abstrakten und satirischen Collagen, Farb- und Linien- Kompositionen und Scherenbildern. Eine reduzierte Bildsprache, überraschende Farbklänge und mitunter rätselhafte Kompositionen machen die eigensinnige Handschrift dieser Künstlerin aus, die sich mit 90 Jahren noch immer mit der Welt da draußen und da drinnen auseinandersetzt.

Auf vielen Reisen zeichnete sie. „Die anderen waren schnell fertig mit dem Knipsen. Ich musste dann immer hinterher hechten.“ Als Rentnerin entdeckte sie die Collage als „weites Feld von Möglichkeiten, meine Fragen, Befürchtungen und Hoffnungen zur Zeit bildhaft zu gestalten.“

Regina Gebhard war mit dem Grafiker Max Gebhard verheiratet. Seit 1953 lebten sie in Friedrichshain, wo die Künstlerin noch heute zu Hause ist.

Inselgalerie Berlin

Petersburger Straße 76A

10249 Berlin

www.inselgalerie-berlin.de

Di-Fr 14-19 Uhr

Sa   13-17 Uhr