| 16:39 Uhr

Die Schillers lieben die Sängerstadt Finsterwalde

Sebastian Schiller mit dem Bild seines berühmten Namensvetters Louis Schiller.
Sebastian Schiller mit dem Bild seines berühmten Namensvetters Louis Schiller. FOTO: jgw1
Finsterwalde. Ohne Kunst und Kultur wäre das Leben nur halb so auf- und anregend. In loser Folge stellt die RUNDSCHAU Kultur-Macher vor, die dafür mit Leidenschaft sorgen. Heute: Sebastian Schiller, der in Finsterwalde zu Stadtgesprächen lockt. Jürgen Weser / jgw1

Schillers prägen seit mehr als 150 Jahren das geistig-kulturelle Leben in der Stadt Finsterwalde mit. Gemeint sind Louis ,,Papa" Schiller sowie seine Namensvetter Joachim Schiller und dessen Sohn Sebastian Schiller. Mit Charme und einem jungenhaften Lächeln nimmt Sebastian Schiller seine Gesprächspartner für sich und seine Ideen ein. Seit 20 Jahren prägt der jetzt 52-Jährige die geistige und kulturelle Landschaft von Finsterwalde mit.

Zunächst bereicherte der legendäre Volksschullehrer Louis Schiller, nach dem die Ehrenmedaille der Stadt für verdienstvolle Bürger benannt ist, seit 1860 mit kulturellen Aktivitäten und Vereinsgründungen das Leben der Stadt. Joachim und Sebastian Schiller sind nicht mit ihm verwandt, aber Seelenverwandte. Joachim Schiller hat sich bis zu seinem Tod um das Andenken an Louis Schiller verdient gemacht und postum 2000 die erste Gedenkmedaille verliehen bekommen. Sohn Sebastian Schiller führt das Engagement seit zwei Jahrzehnten weiter. In diesem Jahr wird er noch eine Ausstellung aus dem Nachlass von Louis Schiller zeigen.

Das ist ein Engagement von vielen des Berliners in Finsterwalde. Sebastian Schiller hat hier seine zweite Heimat, fühlt sich mit vielen Finsterwaldern verbunden und kann nicht auf die Straße gehen, ohne mit Bekannten ins Gespräch zu kommen. Diese Bekanntheit hat er sich als Kultur-Macher in der Sängerstadt erworben. Tag des offenen Denkmals, Stadtgespräche und Ausstellungen sind Markenzeichen, die er setzt.

Sein Einsatz speist sich aus den Wurzeln der Familie, die mehr als 200 Jahre nach Finsterwalde zurückreichen und mit dem Kaufmannsladen ,,Ad. Bauer's Wwe." zu tun haben. Dass dieses imposante Jugendstilhaus in der Ringstraße heute prachtvoll glänzt, ist nicht selbstverständlich.

Vater Joachim war 1953 für zwei Monate inhaftiert und lebte danach in Westberlin. Zu Besuchen zog es ihn in den siebziger Jahren mehrfach zurück, und er brachte Sohn Sebastian mit nach Finsterwalde. Nach der Wende kam die Jugendstilvilla in Familienbesitz zurück, wurde liebevoll denkmalgerecht restauriert und unter Regie von Sebastian Schiller ein offenes Haus. So initiiert er zum Tag des offenen Denkmals vielfältige Aktivitäten, führt im alten Warenspeicher Besucher, zeigt die originale Orthopädiewerkstatt und lädt seit dem vorigen Denkmaltag zu solchen Anlässen ins neu eröffnete ,,Ring-Café" ein.

Ständige Ausstellungen wie das Foto-Kino-Museum, gemeinsam mit Jürgen Schlinger erstellt, und wechselnde Kunst- sowie Historienausstellungen locken Neugierige. Als ambitionierter Amateurfotograf ist Sebastian Schiller selbst Aussteller, hat im eigenen Haus und in der Sparkassen-Kunstallee Finsterwalde von ihm eingefangene ,,Japan-Impressionen" gezeigt, als er beruflich bedingt mit seiner Familie im Reich der aufgehenden Sonne gelebt hat.

Der alte Warenspeicher von Ad. Bauer's Wwe. im Jugendstilhaus genießt bei Prominenten aus dem Berliner Politik- und Kulturbetrieb Kultstatus. Damit hat Sebastian Schiller Finsterwalde in der Metropole bekannter gemacht. Seit 17 Jahren lockt er die Reihe ,,Stadtgespräche" vor die alte Ladentheke. Von Lothar de Maizière

über Rita Süssmuth und Walter Momper reicht die Palette derer, die den Hauch der großen Politik in die Provinz getragen haben, bis zu Joachim Gauck kurz vor seinem Amtsantritt als Präsident.

Die in Finsterwalde geborene jüdische Autorin Inge Deutschkron, Christoph Hein, Marion Brasch, Hellmuth Karasek und Carmen-Maja Antoni sind einige der prominenten Kulturvertreter, die mit Finsterwaldern ins Gespräch kamen. Für die nächsten Highlights mit Marianne Birthler und Iris Berben wird der Platz im alten Warenspeicher wieder viel zu klein für die vielen Stadtgespräche-Interessenten sein. ,,Gerade der besondere Ort macht den Charme der Gespräche aus", lächelt Sebastian Schiller, der sich auf die Unterstützung seiner Familie verlassen kann. Die Söhne Felix und Simon wurden beide dort getauft, wo Sebastian Schiller geheiratet hat: in der Finsterwalder Trinitatiskirche. So sieht Heimatverbundenheit aus.