ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:47 Uhr

Ausstellung
Abstraktes in Malerei und Schwarzkeramik

Mona Höke versteht es, Poesie in Malerei und Zeichnung zu übertragen und einen Einklang aus Farbe, Form und bewegter Linie herzustellen.
Mona Höke versteht es, Poesie in Malerei und Zeichnung zu übertragen und einen Einklang aus Farbe, Form und bewegter Linie herzustellen. FOTO: Hekga Kiss Nuessler / Helga Kiss-Nuessler
Zossen. Die Lausitzer Künstler Mona Höke und André von Martens stellen derzeit ihre  Werke in der Neuen Galerie Wünsdorf aus. Von Richard Rabensaat

  Ein wenig versteckt liegt die Neue Galerie des Landkreises Teltow-Fläming im Zossener Ortsteil Wünsdorf-Waldstadt. Durch ein Restaurant hindurch und dann eine Treppe hinauf, eröffnet sich schließlich im Dachgeschoss der Ausstellungsraum. Er ist verwinkelt, mit Liebe zum Detail und einer passend abgestimmten Beleuchtung ausgestattet. Dort zeigen derzeit die  Malerin  Mona Höke und der  Keramiker   André von Martens  ihre  Werke.

Martens’ schwarze Keramikobjekte wirken dabei nicht minder abstrakt als die Bilder von Mona Höke. Vasen, Teller, Schalen erkennt der Betrachter. Glänzend schwarz gebrannt sind alle Objekte von von Martens, der in der Calauer Schweiz lebt und arbeitet. Manche Oberflächen sind mit funkelnden Steinen durchsetzt. Der Fuß der meisten Schalen und Teller ist recht schmal, unmittelbar als Gebrauchsobjekte bieten sich die Gegenstände nicht an. Es sind Kunstobjekte, die um ihrer reinen Schönheit wirken.

Zahlreiche Preise gewann von Martens, darunter den Hauptpreis für Gestaltung des Deutschen Historischen Museums in Berlin im Jahre 2014. Den Meisterabschluss im Keramikerhandwerk machte der Künstler im Jahre 1991, nachdem er bei Hedwig Bollhagen gelernt und 1990 eine eigene Werkstatt gegründet hatte.

Schwarzbrand ist der Name der Technik, mit der von Martens seine Objekte anfertigt. 1988 besuchte der Künstler im Alten Museum in Berlin eine Ausstellung über die Kultur der Etrusker. Er sah die mit der Technik angefertigten Dinge – und war fasziniert. Auch keltische und ägyptische Einflüsse würden sich in seiner Arbeit finden, erklärt von Martens.

Mit Uhrzahnrädchen, Stecheisen, Reiben und anderen Werkzeugen mustert der in der Niederlausitz lebende Künstler die Oberfläche der Gegenstände. So entstehen feine Strukturen und Einkerbungen und geben den  Objekten eine Anmutung, die an archaische Kultgegenstände erinnert. Bis zu 50 Stunden dauert der Schwarzbrand. Durch das Glätten mit Halbedelsteinen entsteht die glänzende Oberfläche. Obwohl sie zunächst an Gebrauchsgegenstände erinnern, erscheinen die Teile rätselhaft. Das tiefe Schwarz wirkt, als würde es die gesamte Umgebung absorbieren. Eine undefinierbare Aura umgibt die Objekte und appliziert ihnen die Unnahbarkeit eines Kultgegenstandes.

Nicht ganz so rätselhaft erscheinen die Bilder von Mona Höke aus Cottbus. Gedanken an Geschriebenes fließen ein, regen die Fantasie der Künstlerin an und finden ihren ganz eigenen Ausdruck in Bildern und Zeichnungen. „Arbeiten zu Ingeborg Bachmann“, „Briefe“, „Arbeiten zu Fürst Pückler“ sind Titel von Bildserien, die in der Galerie zu sehen sind. Auf vielen Zeichnungen finden sich skripturale Elemente, Schrift scheint auf, aber verschwindet auch sogleich wieder im Ornament, wird überdeckt, fügt sich in die Gesamtstruktur des Bildes.

Der Bezug auf die Dichtung zieht sich durch Mona Hökes Werk. „Die Gunst der Woge ist Gischt“ benannte sie 2011 eine Grafikmappe in Anlehnung an die Lyrik von Bert Papenfuß, Johannes Jansen und Elke Erb. Aus der Dichtung sind großformatige Zeichnungen und Drucke auf Papier entstanden. „Dicke Backen, feiste Schenkel“, „schlüpfrige Mäuler, flinke Finger“, manche Wörter sind erkennbar, andere verflüchtigen sich in gemalten oder gedruckten Zeichen zur literarisch inspirierten Grafik.

Mona Höke, die 2014 den Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung erhielt, versteht es, Poesie in Malerei und Zeichnung zu übertragen und einen Einklang aus Farbe, Form und bewegter Linie herzustellen. Durch Überlagerungen, Schichtungen und Aussparungen entstehen Blätter, in denen sich die Strukturen verweben und miteinander schwingen.

Die 1971 in Guben geborene Mona Höke absolvierte zunächst eine Lehre als Chemielaborantin, bevor sie ihre Liebe zur Kunst entdeckte, sich dann bei verschiedenen Lehrern zur eigenständigen Künstlerpersönlichkeit entwickelte und ihren Stil ausprägte, in dem sich Anklänge an den amerikanischen Abstrakten Expressionismus finden.

Einerseits mit breitflächigen Pinselstrichen und großen geometrischen Formen, andererseits mit luzid übereinander geschichteten Farbverläufen und Flächen sowie sensibel arrangierten Wortmustern hat sie sich ein eigenes abstraktes Vokabular erarbeitet. Dieses pendelt zwischen sensibel gesetzten Zeichen und kraftvoll gesetzten Statements und eröffnet stets einen Farbraum, in dem manchmal Landschaft oder Figur anklingt, aber doch nie ausdrücklich benannt wird. Die häufig großzügig gesetzten Formen zeigen meist eine zurückhaltende Farbigkeit. Graustufen, weiße und schwarze Übermalungen finden sich auf zahlreichen Bildern. Trotz des literarischen Bezuges entdeckt der Betrachter keine illustrativ ausformulierten Inhalte. Alles fügt sich zum Bildganzen, das in seiner Vielschichtigkeit lange im Gedächtnis nachklingt.

Die hohe Qualität der Ausstellung in den recht abgelegenen Räumen überrascht und erklärt sich wohl auch aus der bereits langjährigen Geschichte der Galerie, die 2003 an einem anderen Ort gegründet wurde und dann 2012 ihr Quartier in dem Dachgeschoss gefunden hat. Getragen vom Landkreis Teltow-Fläming, ist die Galerie ein kleines Juwel im Bücher- und Bunkerstadt genannten Wünsdorf.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. August, donnerstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr.
Neue Galerie, Gutenbergstr. 1, Zossen, Ortsteil Wünsdorf-Waldstadt, Tel. 033702 21810

www.mona-hoeke.de
www.schwarzkeramik.de
www.teltow-flaeming.de