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| 17:16 Uhr

Kunstsammlung Lausitz
An der Hinterbacke bis Spreewald

 Ulrike Hogrebe zeigt in ihren Werken ihre ganz individuelle Sicht auf Landschaften.
Ulrike Hogrebe zeigt in ihren Werken ihre ganz individuelle Sicht auf Landschaften. FOTO: Jürgen Weser
Senftenberg. Die Künstlergruppe „Clara Mosch“ mit „Landschaftssicht = Weltsicht“ im Schloss Senftenberg Von Jürgen Weser

Mit der aktuellen Ausstellung erinnert die Kunstsammlung Lausitz an die von 1977 bis 1982 in der DDR existierende Künstlergruppe „Clara Mosch“ und holt sie mit einer Retrospektive und mit dem Lübbenauer Künstlersymposium im vergangenen Jahr in die Gegenwart zum Thema „Landschaftssicht = Weltsicht“.

Unter dem Anagramm „Clara Mosch“ hatten sich fünf junge Maler der Leipziger Schule in ihrer Ablehnung des gängigen sozialistischen Realismus zusammengefunden und zogen 1977 in einen ehemaligen Dorf-Konsum „an der Hinterbacke“ der Arbeiterstadt Karl-Marx-Stadt.  Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke, Michael Morgner und Gregor-Torsten Schade (Kozik) etablierten mit Produzentengalerie und Ausstellungen gegen den Widerstand der DDR Kulturpolitik in Karl-Marx-Stadt ein Zentrum der Avantgarde. Sie wollten neue Kunstformen im Freien ausprobieren und sich von den Normen der DDR-Kunst emanzipieren.

Thomas Ranft und Kunstexperte Herbert Schirmer, von 1991 bis 1999 Direktor der Burg Beeskow, initiierten 2018 eine Art Mosch-Neuauflage mit dem dreiwöchigen Künstlersymposium in Lübbenau, an dem neben Ranft auch Gregor-Torsten Kozik von der Mosch-Gründungsgruppe mitwirkte. Die Senftenberger Ausstellung, von Herbert Schirmer kuratiert, versteht sich einerseits als zweigeteilte Ausstellung über „Clara Mosch“ und mit den Ergebnissen des Lübbenauer Symposiums. Gleichzeitig, das macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus, hinterfragt sie heutige gesellschaftliche Entwicklungen und zeigt Verbindungslinien auf. Landschaftssicht verbindet Künstler wie Ranft und Kozik, Ulrike Hogrebe, Helge Leiberg, Osmar Osten, Christiane Bergelt, Micha Brendel, Anne Heinlein und Madeleine Heublein. Bei Thomas Ranft finden sich surrealistisch träumerische Landschaftsvisionen, akribisch gezeichnet wie seine Tusche auf Bütten Arbeit von 2018 und grafisch unterwandert „Die große Landschaft“ aus der Mosch-Zeit als Radierung. Aus den Arbeiten von Gregor-Torsten Kozik springt den Betrachter der ungestüme Malprozess mit vitaler Kraft und farblicher Wucht entgegen wie zum Beispiel mit seiner Spreewaldsageninterpretation „Lutki“ als Acryl, Kreide, Ölstick-Abeit vom Spreewald-Symposium.

Satirisch hinterfragt Helge Leiberg Spreewaldidylle und Tourismus-Klischees mit Krokodil-Pas de deux und „Endlich ein eigenes Rudel“ mit Acryl auf Leinwand, während Osmar Osten mit malerisch derber Keule zuschlägt, wenn er fragt „Wer hat in den Kahn gekotzt?“

Die ästhetische Realitätsgenauigkeit der Fotografien von den Wäldern der Lieberoser Heide von Anne Heinlein schafft es, mit spröder Gleichförmigkeit Irritationen über Fragen zur Schönheit von Natur und Gefahren, wie sie aktuell die tristen Kiefernbestände zeigen, eindringlich aufzuzeigen. Ulrike Hogrebe arbeitet figürlich und landschaftlich fragmentarisch und vermag damit Irritationen zu erzeugen, während Micha Brendel unter anderem mit Eisenockerschlamm auf Papier ästhetische Positionen vertritt, um drastisch mit seiner „Letzte Hilfe“-Serie auf Umweltsünden hinzuweisen. Neben den Kahn-Bildern von Madeleine Heublein, mit denen sie stimmungsvoll scheinbar fließende Farbkompositionen schafft, zeigt sie den Menschen torsiert und fast mumifiziert als nicht mehr handlungsfähige Existenz.

Die Ausstellung „Landschaftssicht = Weltsicht“ der Kunstsammlung Lausitz im Schloss Senftenberg macht Lust, sich intensiver mit der Künstlergruppe „Clara Mosch“ und ihren Künstlern zu beschäftigen und macht deutlich, dass intakte Natur nur durch vernünftige Weltsicht erhalten bleiben kann.


Die Schau ist bis zum 22. September Dienstag bis Sonntag jeweils 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Schloss Senftenberg zu sehen.

 Ulrike Hogrebe zeigt in ihren Werken ihre ganz individuelle Sicht auf Landschaften.
Ulrike Hogrebe zeigt in ihren Werken ihre ganz individuelle Sicht auf Landschaften. FOTO: Jürgen Weser