Zugegeben, es hätte auch mal wieder Spaß gemacht, einen schlechten Tatort zu sehen und diesen zu zerpflücken.

Dass das beim aktuellen Hamburger Tatort nicht geht, liegt allem voran an Schauspieler Milan Peschel, der einem in der Rolle des Zollbeamten Steffen Thewes das Herz zerreißt; randvoll mit Verzweiflung, zum Bersten gespannt.

Warten auf die Explosion

Der Zuschauer erwartet jeden Moment eine gewaltige Explosion der Figur. Stattdessen brodelt die Verzweiflung nur ab und an hinauf, wie Wasser, dass kurz überkocht. Dann versinkt der Täter wieder hinter Sorgenfalten und Tränen.

Er will doch nur 300 000 Euro für die lebensrettende OP für seine Tochter. Selbst Hauptkommissar Falke ist zerrissen, kann das nachfühlen, ist er doch selbst Vater.

Und ich ertappe mich, wie ich denke, dass der Erpresste mal das Geld rausrücken soll, er hat doch mehr als genug. Aber der Spediteur, der alles andere als eine saubere Weste hat, gibt lieber den harten Macker, und muss am Ende selbst um das Leben seiner Tochter bangen.

Gut, böse?

In diesem Tatort gibt es kein richtiges Böse, aber auch kein richtiges gut. Aber da ist schon die Frage: Muss das sein? Da schimpft der Zollbeamte auf die Gesellschaft, die ihn, den braven Steuerzahler, im Stich lässt.

Bleibt ihm wirklich nichts anderes übrig? Da fühlt sich der Täter dann doch ein wenig zu wohl in der Märtyrerolle.

Trotz aller Tragik sehr nett: wie Polizistin Julia Kommissarin Grosz anschmachtet und Sätze wie „Du bist doch eher der scharfe Typ?“ so niedlich und direkt raushaut, dass man Lachen muss. Ein Wiedersehen mit ihr? Gerne!

Und ein wenig weihnachtlich ist dieser Tatort auch. Da drücken die Kommissare ein Auge zu, und sorgen so, wenn auch für ein bittersüßes, Happyend. Fazit: Sehenswert.

Lydia Schauff
© Foto: Angelika Brinkop