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| 02:47 Uhr

Die kleine Simulantenshow

Vor Kurzem hörten die Bundesbürger in ihrer Eigenschaft als (potenzieller) Patient wieder mal eine interessante Meldung aus den unergründlichen Weiten des medizinisch-industriellen Komplexes. Sie betraf den Subbereich Schulungswesen. leu1

Demnach konnten Ärzte eine staatliche Förderung erhalten, wenn sie Seminare besuchten, in denen sie für den Verkauf oft umstrittener Selbstzahler-Angebote geschult wurden. Die Regelung wurde nach Bekanntwerden vom Bundeswirtschaftsministerium kurzfristig gestrichen.

Es gibt natürlich weitere Schulungen, die auf den ersten Blick ebenfalls fragwürdig erscheinen. Allerdings nur auf den ersten. So erhalten angehende Mediziner in Berlin, nein, nicht Schauspielunterricht, aber Unterricht, bei denen sie mit Schauspielern zusammenarbeiten. Dabei geht es mitnichten darum, sich besser vor dem Patienten darzustellen, sondern den Umgang mit Patienten in schwierigen Situationen zu üben. Das Ganze ist Bestandteil des "Simulationspatienten-Programms" der Charité für Medizinstudenten.

In einem eigenen Lehrfach werden die künftigen Ärzte in der Kommunikation mit Kranken geschult. Diese Kranken sind keine echten Kranken, sondern Simulationspatienten im Alter von 15 bis 80 Jahren. Etwa ein Drittel der 130 Darsteller, die regelmäßig für den Unterricht mit den Medizinstudenten gebucht werden, sind professionelle Schauspieler. Ihre Rollenvorgaben müssen sie wie bei den stursten Film- und Theaterregisseuren einhalten, denn in der kleinen Simulationsshow gibt es für die Schauspieler keinen Improvisationsspielraum. Die Szene zwischen Arzt und Patient, sowie dessen Krankheitsgeschichte wird von Fachärzten im Rollenskript genau festgelegt. Schließlich soll alles möglichst nah an der Realität sein. Das Einzige, was nicht an die Realität heranreicht: In diesem Fall bekommen die "Patienten" Geld und nicht die behandelnden Ärzte. Die kleine Aufwandsentschädigung können sie dann zum Beispiel wieder für die Praxisgebühr bei echten Medizinern ausgeben.