Aber die selbsternannte Musikhauptstadt Berlin würde ihrem Hier-gibt's-jede-Art-von-Musik-Anspruch nicht gerecht werden, wenn es in ihr nicht auch Künstler gäbe, die innovativen Volksmusikpop produzieren.

So wie die "Berliner Country Yodeling Queen" Kutzkelina, hinter der sich die Zugereiste Doreen Kutzke verbirgt. Die Frau mit Harzer Migrationshintergrund hatte schon als Kind in Blankenburg das Jodeln gelernt, war Mitglied im Kinderjodelchor und hatte sogar Auftritte im DDR-Fernsehen. Sie ist stets Jodelfan geblieben und hat die klassische Jodelkunst in eine moderne, experimentelle Elektrojodelmusik überführt. "Alpen-Dub" nannte sie ihre Jodelbegleitung zu Elektrobeats, die sie als DJ in Berliner Clubs in den Neunzigern selbst aufgelegt hatte.

Die folkloristische Variante kann sie natürlich auch immer noch.

Doreen Kutzke tritt nicht nur seit Jahren mit verschiedenen Musikprojekten in der Welt auf, sondern bringt auch anderen Leuten diese Art des Singens bei. In Kreuzberg betreibt sie eine Jodelschule, in der vor allem unerschrockene Frauen das Jodeln gern mal zum Stressabbau nutzen. Der ist hier offenbar auch lustiger als beim Yoga.

Wobei lustig eben nicht peinlich lustig meint, wie manche Darbietung im Schlagervolksmusikgewand daher kommt. Der größte Bärendienst, der den echten Volksmusikfans erwiesen wird, ist nämlich die Begriffsbesetzung durch die Schöpfer der Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterfeste der Volksmusik.

Das behaupten jedenfalls die paar verbliebenen Studenten des seit 1963 existierenden Studiengangs "Volksmusik", an der Hochschule für Musik und Theater in München. Die momentan noch sechs Studenten forschen nicht nur nach verschollenem Volksliedgut, sondern lernen auch Hackbrett, Zither und alte Volkstänze. Und sie fahren zu Jodelkursen in die Berge. Am Ende sind sie examinierte Volksmusiker - ohne Jodeldiplom. Das gibt's nur in in Deutschlands Hauptstadt - auch wenn es nicht direkt so heißt.