Die in Cottbus gezeigte Kollektion ist eine Leihgabe der Stiftung Stadtmuseum Berlin.
Die Schau überstreicht einen Zeitraum vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Was die Bilder ausnahmslos reflektieren, sind Würde und künstlerische Integrität ihrer Schöpfer. Dies spiegelt sich in unterschiedlichen Motiven wider. Einige seien in loser Folge vorgestellt. Teil II: Johann Gottfried Schadow: "Reiter, sitzende Frau und Kopfstudien", Federzeichnung (1831).
Diese spielerische Studie verrät die Modernität Schadows und zugleich seine Meisterschaft bei der Handhabung zeichnerischer Mittel. Es gehörte damals Kühnheit dazu, die klassizistischen Muster und linearen Traditionen infrage zu stellen. Der Künstler tat dies auf der Grundlage eines sicheren ästhetischen Konzeptes. Es war ein Experiment mit der Kunst des Weglassens. Ausschließlich mit Schraffuren schafft der Chef der königlichen Bildhauerwerkstatt sich neue Möglichkeiten zeichnerischer Entwicklung. Max Liebermann sagte viel später (1909) etwas in diesem Zusammenhang Gültiges: ". . . dass die Zeichnung die Grundlage aller bildenden Kunst ist . . . Sie ist der Prüfstein für das Talent des Künstlers ebenso wie für den Geschmack des Publikums." Johann Gottfried Schadow vermochte es mit der spontanen Federzeichnung dieser Art, Fragment und Vollendung ins Gleichgewicht zu bringen, eine innovative Form für bekannte Motive zu entwickeln.
Konzentriert man den Blick auf die Reiterfigur, so fällt nicht nur ein überraschendes Raumgefühl auf, sondern auch die fast zur optischen Täuschung geratene Bewegungsfülle, Dynamik und Leichtigkeit. Die Kontur ist nicht da, sie wird beim Betrachter mitgedacht. So entsteht eine Kunst der Klarheit und Reduktion. Freilich, es bleibt ein Studienblatt. Und die künstlerische Ausformung ist einem anderen Arbeitsprozess vorbehalten. Daran lässt der Zeichner keinen Zweifel. Aber die Skizze eines Meisters, wie zu sehen, überragt das fertige Werk jedes Mittelmäßigen.
Schadow (1764-1850), Zeitgenosse Goethes und mit jenem im kritischen Dialog, war ein Privilegierter seiner Zeit. Seine Denkmale setzte sich der Direktor der Akademie der Künste nicht nur mit veritablen Porträtbüsten für den preußischen Hof, sondern auch mit der Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin. Die in dieser Ausstellung präsentierten Zeichnungen Schadows geben Zeugnis von einer Qualität und Tradition, der gegenüber sich nur wenige Zeitgenossen aus dem Kunstfach des 21. Jahrhunderts auf Augenhöhe befinden.
(Ausstellung bis 1. Mai, geöffnet Di-Fr, So 10-18 Uhr, Di/Do 10-20 Uhr, Sa 14-18 Uhr. Katalog)