Ein Wettbewerbs-Spielfilm, in dem Deutsch gesprochen wird? Hat's das jemals gegeben beim Cottbuser Festival, das dem osteuropäischen Film eine Plattform bietet? Diesmal ja: "Die Wälder sind noch grün" von Marko Nabernik ist eine österreichisch-slowenische Koproduktion. Erster Weltkrieg, August 1917. In den Julischen Alpen stehen sich österreichische und italienische Truppen gegenüber. Der 19-jährige Lindner ist nach einem Angriff auf seinen abgelegenen Beobachtungsposten einziger Überlebender, kann mit niemandem mehr reden, außer mit dem Feldtelefon . . . Beklemmendes Kammerspiel in einem Panorama, wo man doch lieber Bergwandertouren unternehmen würde.

Der Teenager Modris lebt mit seiner Mutter in einem lettischen Plattenbauviertel und ist insgesamt desinteressiert. Was jedoch nicht für Spielautomaten gilt. Ständig braucht er Geld, und nachdem er eines Tages den Heizkörper seiner Mutter verpfändet, zeigt sie ihn bei der Polizei an. Er wird von der knallharten Justiz auf Bewährung verurteilt. Lernt er was draus? "Modris" (Lettland, Griechenland, Deutschland) von Juris Kursietis: Mutter und Sohn finden keine gemeinsame Sprache. Auch nicht, was den abwesenden Vater betrifft, über den die Mutter Modris belügt.

Wer denkt, dass "Die Maisinsel" - am Mittwoch im Wettbewerb - der Gipfel der Sprachlosigkeit sei, hat den russischen Spielfilm "Der Test" von Alexander Kott noch nicht gesehen. Auf der Maisinsel gibt's ganz wenige Dialoge, aber es gibt sie. "Der Test" aber geht völlig ohne Worte über die Bühne. Und das geht, das ist dann wohl Film! Man muss sich natürlich auf die ruhigen Einstellungen, auf dieses Gleichmaß der Tage eines Mädchen und ihres Vaters in der kasachischen Steppe einlassen - und bekommt dann einen ausgesprochen dramatischen Schluss.

Marcin, Anfang 20, gabelt Ola auf, zieht mit ihr um die Häuser, verbringt die Nacht mit ihr in deren Elternhaus. Ola ist am Morgen verschwunden, ihre gut situierten Eltern laden Marcin zum Frühstück ein. Er wird erst den Vater, dann die Mutter töten - warum, das erschließt sich nicht. Sind diese offenbar unmotivierten Morde Akte der Auflehnung gegen eine selbstzufriedene Elterngeneration? "Hardkor Disko" des polnischen Regisseurs Krzysztof Skonieczny ist tatsächlich Hardcore und lässt den Betrachter einigermaßen sprachlos zurück.