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Die da oben und die da unten und wie sie einander brauchen

In der Reihe „Kaffeeklatsch mit Prominenten“ , mit der das Staatstheater Cottbus seinen 100. Von Klaus Wilke

Geburtstag (2008) vorbereitet, saßen am Sonntag eine Kammersängerin, Jutta Schubert (Jahrgang 1927), und zwei Kammersänger und DDR-Nationalpreisträger, Konrad Rupf (1929) und Klaus König (1934), dem einfühlsamen Moderator Hellmuth Henneberg gegenüber. Alle drei hatten einst in Cottbus debütiert.
Den Titel Kammersänger(in) verleihen staatliche und städtische Institutionen für besondere Verdienste und Lebenswerke. Früher hatten dies Fürsten und Könige getan. Wie königliche Gunst kommt den Sängern auch heute noch die Anerkennung ihres Publikums vor.
Jutta Schubert, die Cottbuser Bäckerstochter, debütierte 1946 „als Chorsängerin mit Spielverpflichtung“ . Damals trugen die Leute noch Kohlen in das kalte Theater.
„Wir spürten ihre Dankbarkeit dafür, dass unser Spiel und Gesang ein bisschen Hoffnung in ihr Leben brachte. Wir dankten es ihnen, dass sie kamen zu einer Zeit, da vieles andere wichtiger schien.“ Ein erster Höhepunkt war 1949 ihre Constanze in „Die Entführung aus dem Serail“ . Ab 1951 wirkte sie in Altenburg, dann am Metropoltheater und in der Westberliner Reiseoper. 1962 kehrte sie für sieben Jahre und wunderschöne Rollen nach Cottbus zurück. „Mein Leben gehörte der Oper“ , erklärt die 79-Jährige, was sie nicht hinderte, ihre Kinder liebevoll zu umsorgen. Der Kinderwagen im Theater war nicht selten.
Konrad Rupf, der dem Cottbuser Ensemble von 1955 bis 1958 angehört und in drei Spielzeiten 21 Partien erarbeitet hatte, sprach von jenen Abenden, an denen ein begeistertes und mitreißendes Publikum auch die Sänger begeistert und mitreißt. „Da gerät eine geheimnisvolle Stimmung in Bewegung“ , erklärt er. „Wenn man die aufnimmt, treibt es einen zu Höchstleistungen.“ Seine in Cottbus begonnene Laufbahn setzte er mit Engagements in Karl-Marx-Stadt und Leipzig und mit Gastspielen in den großen Opernhäusern des Ostens fort. Sie reichte bis in das Jahr 2004. Zuletzt war er in 127 Partien zu Hause.
Klaus König hat die Verbindung zwischen „denen da oben“ (auf der Bühne) und „denen da unten“ (im Zuschauerraum) am frühesten verspürt. Er war noch im Privatbetrieb Malermeister und Lackierer in Bad Muskau, da sang er schon zehn Jahre lang als Solist im Kurorchester. Aber in der Hochschule, in der er sich bewarb, wollte keiner glauben, dass „so einer“ mit goldenen Händen wirklich auf die Bühne will. Abgelehnt. Aber er blieb hartnäckig. Zum Glück: „Aus Ihnen wird ein Heldentenor“ , sagte sein Lehrer Johannes Kempter in Dresden. Und er wurde es. Er begann in Cottbus, wo ihn Sängerinnen wie Erika Reinwald und Ingrid Braun und Generalmusikdirektor Frank Morgenstern Theaterluft nahe-brachten. „Ich wusste ja als Handwerker nicht einmal, was eine Theaterprobe ist“ , sagt er heute. Dann wurde er als Wagner-Tenor entdeckt, und er gastierte in Paris, London, Mailand und sogar in New York. Als er mal wieder als Gast in Cottbus auftrat, nahm er mit einem prächtigen Fidelio dem Cottbuser Fotoreporter Michael Helbig die Scheu vor der großen Oper. Auch das war am Sonntag zu erfahren.
Der „Kaffeeklatsch“ war ausverkauft. Es hat sich herumgesprochen, dass es da viel Neues zu erfahren gibt, weil Archivarin Birgit Mache viel Altes ausgräbt und auch Verbündete - diesmal das Deutsche Rundfunk-Archiv - hat.