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| 18:13 Uhr

Nach Konzert-Absage
Die Bauhaus-Debatte findet kein Ende

24.10.2018, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Rainer Robra (CDU, l), Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, verfolgt von seinem Platz in der Regierungsbank die Debatte im Plenarsaal des Landtages.  Unter dem Tagesordnungspunkt "Eingriffe in die Programmhoheit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in die Kunstfreiheit sind demokratiefeindlich und gesetzwidrig" debattierten die Abgeordneten über die Absage eines Konzertes der Musikgruppe "Feine Sahne Fischfilet" im Dessauer Bauhaus. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++
24.10.2018, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Rainer Robra (CDU, l), Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, verfolgt von seinem Platz in der Regierungsbank die Debatte im Plenarsaal des Landtages. Unter dem Tagesordnungspunkt "Eingriffe in die Programmhoheit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in die Kunstfreiheit sind demokratiefeindlich und gesetzwidrig" debattierten die Abgeordneten über die Absage eines Konzertes der Musikgruppe "Feine Sahne Fischfilet" im Dessauer Bauhaus. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++ FOTO: ZB / Klaus-Dietmar Gabbert
Dessau-Roßlau/Berlin. Erst die Konzertabsage mit heftig umstrittener Begründung, nun eine erste personelle Konsequenz.

Das Bauhaus Dessau kommt nach der Absage des Konzerts der Punkband Feine Sahne Fischfilet nicht aus den Schlagzeilen – jetzt sorgt die Freistellung der Pressesprecherin Helga Huskamp für Diskussionen. Ein „Bauernopfer“ sieht die Grünen-Politikerin Cornelia Lüddemann, die für das Land Sachsen-Anhalt im Stiftungsrat des Bauhauses Dessau sitzt. „Ohne ihr zu nahe treten zu wollen, die Pressesprecherin ist die dritte Reihe“, sagte die Landtagsfraktionschefin am Wochenende. Im Kern gehe es um die Entscheidung über die Absage auf der Bauhausbühne, und die habe die Direktorin Claudia Perren nach einer Beratung mit Kulturminister Rainer Robra (CDU) getroffen.

Unterdessen hat sich Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit deutlichen Worten zur Entscheidung des Bauhauses geäußert, die Band nicht auf der historischen Bauhausbühne auftreten zu lassen. „Wenn man das aufgibt, was das Bauhaus ausmacht, damit die Tapete heile bleibt, dann hat man die Idee verraten.“ Der Politiker sieht angesichts des zunehmenden Drucks von Rechts die Kultureinrichtungen in der Pflicht, Rückgrat zu zeigen.

Die Stiftung hatte ein ZDF-Konzert in der Reihe „zdf@bauhaus“ mit der Band abgelehnt, nachdem rechte Gruppierungen zum Protest gegen den Auftritt aufgerufen hatten. Feine Sahne Fischfilet wird nun am 6. November in der Alten Brauerei in Dessau auftreten.

Sachsen-Anhalts Chef der Staatskanzlei, Kulturminister und Stiftungsratsvorsitzender des Bauhauses Dessau, Rainer Robra, wollte die Entscheidung über die Pressesprecherin am Wochenende nicht kommentieren. Er ließ über einen Sprecher ausrichten, es handele sich um eine interne Angelegenheit der Stiftung.

In den vergangenen Tagen hatte Stiftungsdirektorin Claudia Perren kommunikative Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Konzertabsage eingeräumt. Huskamp leitet seit Juni 2015 die Kommunikation der Stiftung. Ihre Freistellung wurde zunächst als temporäre Entscheidung bezeichnet.

Die Konzertreihe „zdf@bauhaus“ wird dennoch am 5. und 6. November auf der Bauhausbühne aufgezeichnet. Laut ZDF waren neben der Punkband von Anfang an Pur („Abenteuerland“), die dänische Popsängerin Tina Dico und die US-amerikanische Rock- und Bluesband Welshly Arms eingeplant.

Kulturschaffende und Architekten hatten mit einem Offenen Brief gegen die Konzert-Absage protestier. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts und die Stiftung hätten „der Demokratie und dem kulturellen Leben in unserem Lande schweren Schaden zugefügt“, heißt es in dem im Internet veröffentlichten Schreiben. „Besorgniserregend ist, wie die Politik durch offenkundige Weisungen in eine kulturelle Einrichtung hineinregiert.“

Auf der Liste der ersten Unterstützer fanden sich zum Teil bekannte Namen aus dem Museums-, Architektur- und Hochschulbereich. Auch die Künstlerinnen Hito Steyerl und Anne Imhof, der Ausstellungsmacher Kasper König, der Gestalter Erik Spiekermann sowie der Grafiker Klaus Staeck waren darunter. Zu den Unterzeichnern gehört der Kasseler Professor Philipp Oswalt, ehemaliger Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, dessen Vertrag vom Stiftungsrat nach einem Streit nicht verlängert worden war.

Der Künstler Clemens Krauss schrieb an die Bauhaus-Chefin Perren: „Eine Musikgruppe auszuladen, weil man Bedenken wegen möglicher Demonstrationen „rechter“ Gegner hat, halte ich nicht nur für falsch, sondern für ein Fanal“. Weiter heißt es in dem Brief: „Vereinfacht gesagt lasst Ihr Euch damit von Demokratiefeinden wichtige demokratische Grundrechte nehmen.“

(dpa)