"Mit dem Umzug von Berlin nach Carwitz floh Fallada auch vor den Verlockungen der Großstadt", erklärt Knüppel. "Es waren Falladas wichtigste Jahre als Schriftsteller." Der Literaturwissenschaftler hat unter anderem 14 000 Seiten Fallada-Briefe ausgewertet. Ein literarischer Welterfolg brachte den damals 39-jährigen Rudolf Ditzen, der sich Hans Fallada nannte, 1932 dazu, sich nach einem ländlichen Grundstück für seine Familie umzusehen. "Der Roman ,Kleiner Mann, was nun' wurde in viele Sprachen übersetzt, ständig kam Geld herein - Fallada war damit überfordert", schildert Knüppel. Der Dichter hielt zeitweise in Berlin tischeweise Lokalbesucher frei. Das zwölfte Anwesen, das er besichtigte, erwarb Fallada für 12 000 Reichsmark. Es war das "Haus Wehrle", dass er dem Sohn eines Berliner Regierungsrates abkaufte. Fallada wollte dort seine Leidenschaft für die Landwirtschaft ausleben und gestaltete auch das alte Haus völlig um. Veranda mit SeeblickHeute können Besucher das originale Arbeitszimmer des Dichters sehen, die Sitzecke im Garten und die Veranda mit Seeblick - die Fallada nach städtischem Geschmack mit roten und orangen Möbeln ausstattete. "Aber er hat nicht nur im Arbeitszimmer geschrieben", weiß Knüppel. Weil es mit erst zwei, später drei Kindern unten im Haus oft zu laut war, zog sich Fallada ins Obergeschoss zum Schreiben zurück, in das Zimmer, das Knüppel jetzt als Büro dient, und in das heutige Filmzimmer, wo Besucher filmische Beiträge über den Dichter ansehen können. "Also Mückchen, du hast es gehört: von morgen an arbeitet Papa wieder. Der vordere Hof ist euch verboten, ihr spielt nur hinter der Scheune", heißt es in "Heute bei uns zu Haus" dazu. Die Art, wie der gelernte Landwirt Fallada seine Wirtschaft betrieb, ist noch heute erkennbar. Er pflanzte mehr als 100 Obstbäume, hielt Hühner, Schweine, Kühe und zwei Hunde, widmete sich später auch erfolgreich der Imkerei. Fotos zeigen den von der mecklenburgischen Landschaft begeisterten Dichter auf Spaziergängen mit seinen Kindern. Doch trotz der Idylle, in der Fallada auch den Roman "Wolf unter Wölfen" und die "Geschichten aus der Murkelei" schrieb, hielt die Ehe mit seiner Frau Anna Ditzen nur bis 1944, dann ließ sie sich scheiden. "Als Schuldeingeständnis überschrieb der Dichter das Anwesen seiner Frau", erklärt Knüppel. Nach ihrem Auszug 1965 kamen wieder Schriftsteller auf das Grundstück: Der Kinderbuchverlag der DDR betrieb auf dem Anwesen ein Betriebsferienheim. Falladas erste Frau zog 1965 ins benachbarte Feldberg, wo sie 1990 starb.Nicht sehr politischDas Museum, das zu den zwanzig kulturellen Gedächtnisorten mit nationaler Bedeutung in den neuen Bundesländern zählt, hat einen guten Kontakt zu den Nachkommen Falladas. So stellten die Söhne der Gedenkstätte immer wieder Alltagsgegenstände aus dem Feldberger Haus ihrer Mutter zur Verfügung. "Jetzt wurde das Haus in Feldberg veräußert, die originalen Möbel aus dem Esszimmer Falladas, die Anna Ditzen behielt, sollen ins Museum kommen", freut sich der Leiter. Dazu soll das Zimmer samt Tapeten und Fußboden wieder so eingerichtet werden, wie es zu Falladas Zeiten seine Besucher sahen. Dazu zählten der Verleger Ernst Rowohlt, der Zeichner e.o.plauen und der Schauspieler Theo Lingen. "Politische Gäste hatte der Dichter nicht", sagt Knüppel. Fallada sei zwar ein gesellschaftskritischer Autor, aber wohl kein sehr politischer Mensch gewesen. Öffnungszeiten: April bis Oktober Dienstag bis Freitag 10 - 17 Uhr, November bis März Dienstag bis Freitag 14 - 16 Uhr, Eintritt: vier Euro, ermäßigt der Euro. Zum Bohnenwerder 2, 17258 Feldberger Seenlandschaft