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Deutschland rätselt über Gründe für ESC-Fiasko

Levina aus Deutschland ist bestürzt über den Punktestand im Finale des 62. Eurovision Song Contest (ESC) am 13.05.2017 in Kiew (Ukraine). Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist der diesjährige Austragungsort für den Eurovision Song Contest (ESC) mit dem Finale am 13. Mai. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Levina aus Deutschland ist bestürzt über den Punktestand im Finale des 62. Eurovision Song Contest (ESC) am 13.05.2017 in Kiew (Ukraine). Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist der diesjährige Austragungsort für den Eurovision Song Contest (ESC) mit dem Finale am 13. Mai. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Julian Stratenschulte (dpa)
Kiew. Deutschland kommt aus dem ESC-Tief nicht raus. Nach den letzten Plätzen 2015 und 2016 gab es für die Hoffnungsträgerin Levina nur den vorletzten Rang. Auch das TV-Publikum spielte nicht mit.

Nur der vorletzte Platz für Sängerin Levina (26) beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew - jetzt werden vermutlich die Diskussionen über Deutschlands Auftritte bei dem traditionsreichen Musikwettbewerb wieder zunehmen. Auf die Frage nach den Gründen wusste die 26-jährige Levina nach der Show in der Nacht zum Sonntag in Kiew keine Antwort. Der legendäre ESC-Kommentator Peter Urban (69) vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) sagte: „Ich weiß auch nicht, woran es liegt.“

Auch das Fernsehpublikum in Deutschland mochte sich nicht so recht für die effektvoll inszenierte Show in der ukrainischen Hauptstadt erwärmen. 7,76 Millionen Zuschauer (Marktanteil 31,5 Prozent) wurden am Samstagabend ab 21 Uhr gemessen. Für eine Fernsehshow immer noch eine gute Quote, aber der schlechteste ESC-Wert seit 2009. Bei den beiden Lena-Auftritten 2012 und 2011 waren es jeweils mehr als 13 und 14 Millionen.

Nach der Lena-Ära wandelte sich das Bild, die deutschen ESC-Fans mussten viel Kummer ertragen. 2016 hatte Sängerin Jamie-Lee für ihr Lied „Ghost“ nur elf Punkte bekommen und war Letzte geworden - ebenso wie im Jahr zuvor Ann Sophie, die mit „Black Smoke“ keinen einzigen Punkt geholt hatte. Levina erzielte mit ihrem Song „Perfect Life“ nun magere 6 Punkte und konnte sich noch gerade so vor das letztplatzierte Spanien schieben, das 5 Punkte holte.

Jubeln durften andere:

Zum ersten Mal gewann Portugal den ESC. Sänger Salvador Sobral landete mit 758 Punkten ganz vorne. Der 27-Jährige verzichtete in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf eine spektakuläre Show und überzeugte mit viel Gefühl. Die in seiner Muttersprache vorgetragene Jazz-Ballade „Amar Pelos Dois“ (Liebe für zwei) geht auf eine Komposition seiner Schwester Luísa Sobral zurück. Am Ende der großen Live-Show sangen die beiden den Song gemeinsam, während Goldglitter vom Hallendach rieselte.

Auch Levina, die in Bonn geboren wurde, in Chemnitz aufwuchs und heute in London und Berlin wohnt, hatte sich für einen eher reduzierten, von Grautönen dominierten Auftritt entschieden. Barfuß, mit dunklem Rock und hellem Oberteil sang sie vor vergleichsweise schlichter Kulisse alleine auf der Bühne ihren Song „Perfect Life“.

Nach dem ersten Schock über den vorletzten Platz - sie musste sich zwischenzeitlich die Tränen aus den Augen wischen - konnte Levina kurz darauf schon wieder lachen. Es sei trotzdem eine „wundervolle Erfahrung“ gewesen, sagte sie in der ARD. Sie habe so viel Spaß gehabt und tolle neue Leute kennengelernt. Die 26-Jährige bedankte sich bei Irland - der einzigen Länderjury, die Deutschland Punkte gab.

Zweiter wurde Bulgarien mit 615 Punkten. Moldau erreichte mit 374 Punkten Rang drei. Der Australier Isaiah schaffte mit „Don't Come Easy“ den neunten Platz. Dass Australien nun zum dritten Mal beim Eurovision Song Contest mitmachen durfte, gehört zu den Kuriositäten des Wettbewerbs. In dem Land am anderen Ende der Welt hat der ESC eine große Fangemeinde.

Überschattet wurde der eigentlich unpolitische Wettbewerb vom Konflikt zwischen dem Gastgeberland Ukraine und Russland. Der russischen Kandidatin Julia Samoilowa wurde wegen eines Auftritts auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim die Einreise in die Ukraine verwehrt. Nach neuer blutiger Gewalt in der Ostukraine sagte Präsident Petro Poroschenko am Samstag seinen Besuch beim Finale ab.