Das Thema ist fast so alt wie der Rohstoff, um den es geht: die Lausitzer Braunkohle. Seit mehr als 100 Jahren wird Braunkohle in der Lausitz gefördert, 137 Dörfer wurden komplett oder teildevastiert, etwa 30 000 Bewohner umgesiedelt, und es geht weiter. Bis zum Jahr 2042 sind noch weitere Abbaggerungen geplant, unter anderen im Kirchspiel Schleife. Doch nun werden die Karten neu gemischt. Der bisherige Braunkohleförderer, der schwedische Energiekonzern Vattenfall, will verkaufen. Für die Sorben, die schon eine Vielzahl ihrer Dörfer verloren haben, scheint es wie die Ironie des Schicksals, der slawische Nachbar will weiter baggern. Die angestammte Heimat der Sorben/Wenden hat sich auch und vor allem wegen der Braunkohle verändert. Umgesiedelte Dorfgemeinschaften verfielen, die Sprache und Traditionen gingen vielerorts verloren. Dort wo einst verschlafene Dörfer inmitten der sagenumwobenen Heide lagen, erstrecken sich heute durch Nieder- und Oberlausitz kilometerweit Braunkohlegruben. Einiges verwandelte sich fortschritts- und kommerzortientiert in ein neues verheißungsvolles Paradies - die Lausitzer Seenlandschaft - anderes liegt brach.

Jurij Kochs Stück, dessen Uraufführung im Jahr 1977 am Landestheater Halle stattfand, widmet sich dem fortwährend aktuellen Problem, ob technischer Fortschritt alle Tradition aufwiegen kann und soll. Es zeigt den Zusammenstoß der auf Fortschritt, Wirtschaftlichkeit und Technik bestimmten Welt der Landvermesser und einem auf Tradition und innere Werte angelegten Leben, das der Weber Kotjatko, sein Vater und die sichelkrumme Frau führen. Ein Trupp Landvermesser durchstreift unberührte Landschaft, um sie für die nahende Trasse zu vermessen. Der abgelegene Bauernhof, in dem sie gastfreundlich Quartier erhalten, wird den Baggern und Kränen weichen müssen. Der Wassermann, als typische sorbische Sagengestalt, agiert zwischen den aufeinanderprallenden Welten und zündelt am Konflikt, so menschenähnlich und dämonisch wie er als Sagengestalt ausgestattet ist.