Und so dichtete und sang er von "Hosti Schmandhoff", dem brutalen Kleinbürger-Nazi, von "Tonio Schiavo", dem in Deutschland zu Tode gekommenen Gastarbeiter, und von "Rudi Dutschke", dem Studentenführer. Zur Legende wurde Franz Josef Degenhardts "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern", sein Song über bürgerliche Borniertheit (1965). Mit provokant-kritischen Tönen wurde Degenhardt schon früh einer der bekanntesten Liedermacher der linken Bewegung in der alten Bundesrepublik. Morgen wird der promovierte Jurist, der auch Romane schrieb, 75.
Rund 30 Alben, mehrere Textbücher, sieben Romane ("Brandstellen", 1975), dazu Tourneen, Live- und Fernseh-Auftritte markieren das Werk von "Väterchen Franz". Seine kraftvollen Lieder trug Degenhardt mit widerborstiger Stimme vor, er begleitete sich dazu auf der Gitarre. Durch den Beginn der Studentenbewegung 1967/68 verstärkt politisiert, prangerte er die Nachkriegs-Verhältnisse an: "Verunsicherung der bürgerlichen Ideologie", wie er es selbst nannte, und Aufbauhilfe für die sozialistische Opposition waren seine Ziele. Zu Vorbildern zählten Villon, Wedekind, Tucholsky und Brecht.
Am Rand des Ruhrgebiets, in Schwelm, 1931 geboren, wuchs er in einer "militant katholischen und antifaschistischen Familie" mit Bezügen zum sozialistischen Milieu auf. Sein Vetter war der als sehr konservativ geltende Kardinal Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002), Erzbischof von Paderborn. Franz Josef studierte von 1952 bis 1956 Jura in Freiburg und Köln und begann eine Universitätskarriere. 1969 ging er als Anwalt nach Hamburg, verteidigte bei APO-Prozessen Sozialdemokraten und Kommunisten. Als Folge des "Unvereinbarkeitsbeschlusses" 1971 nach zehn Mitgliedsjahren aus der SPD ausgeschlossen, trat Degenhardt 1978 der DKP bei.
Zu seinen Weggefährten gehörten Rudi Dutschke, Wolf Biermann, Wolfgang Neuss und Dieter Süverkrüp. Degenhardt galt jedoch den 68ern teilweise als zu reformistisch. Gegenüber der Friedensbewegung pflegte das "APO-Großväterchen" einige Vorbehalte. Noch bis 2004 hat Degenhardt bei aktualisierten Programmen und von Sohn Kai (42) an der Gitarre unterstützt, die Konzertsäle mit inzwischen meist älteren Fans gefüllt.
Heute ist es krankheitsbedingt ruhiger geworden um den in Quickborn bei Hamburg lebenden Ehemann und Vater von drei erwachsenen Kindern. Im September 2006 veröffentlichte er seine CD "Dämmerung". Gerade erschienen ist das Buch "Franz Josef Degenhardt - Die Lieder" mit sämtlichen Texten und Noten (Eulenspiegel-Verlag, Berlin).