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| 02:38 Uhr

Der uns Sternstunden schenkte

Liebte auch Musik und Geselligkeit: Helmut Routschek im Juni 2014 bei einem Treffen der Sprachgruppe Cottbus des Vereins Deutsche Sprache in Gulben.
Liebte auch Musik und Geselligkeit: Helmut Routschek im Juni 2014 bei einem Treffen der Sprachgruppe Cottbus des Vereins Deutsche Sprache in Gulben. FOTO: Peter Jähnel/pjl1
Cottbus. Als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Romane wurde Helmut Routschek unter dem Pseudonym Alexander Kröger weit über Cottbus hinaus bekannt. Am Donnerstag starb der Schriftsteller 81-jährig in Heidenau, wie uns seine Ehefrau Susanne Routschek gestern mitteilte. Seine Bücher waren im Osten Deutschlands Kult und leben weiter. Ida Kretzschmar

Mit seinem letzten Buch "Cottbus - ein Star im Sternchen" tauchte er ganz gegen seine Gewohnheit in die Vergangenheit ab, um vor allem vergnügliche Anekdoten aus seiner Wahlheimat zum besten zu geben. Er war noch zu allerhand Lesungen verabredet, hatte noch so viel Ungeschriebenes im Kopf, sah seinen Menschwerdungsprozess noch lange nicht abgeschlossen, wie er in einer RUNDSCHAU-Umfrage vor gut fünf Jahren augenzwinkernd in Hoyerswerda verkündete, wo er von 1968 bis 1981 zu Hause war, bevor er nach Cottbus zog. "Ich werde nie erwachsen", beschrieb der damals 75-Jährige sein Lebensgefühl, das er mit seiner Frau Susanne Routschek teilte.

Immer offen für Neues. So geschah es nach der Wende, dass er sogar mit seinem Verlag verheiratet war. Denn Susanne Routschek, mit der er seit Jugendtagen verbunden war, verlegte in schwierigen Zeiten seine Bücher im Eigenverlag Kröger-Vertrieb, bevor sich der Projekte-Verlag Halle seines Gesamtwerks annahm. Nun werden sie auch in der Edition digital von Gisela Pekrul weiterleben.

Mehr als ein Jahr ist es nun her, dass ein schwerer Verkehrsunfall das Cottbuser Literatur-Ehepaar Routschek mitten aus ihrem Alltag riss. Während bei der 81-jährigen Susanne Routschek die Lebensgeister allmählich zurückkehren, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des gleichaltrigen Schriftstellers in den letzten Wochen mehr und mehr.

Am Ende gab es keine Hoffnung mehr. Dieser Satz würde Helmut Routschek nicht gefallen. Der Erfinder von Robina Krux, der Marsfrau und anderer Gestalten aus seinen wissenschaftlich-fantastischen Welten hat uns doch gelehrt, bei allem, was passiert, nicht zu verzweifeln. Er brachte uns zum Träumen und Staunen, schickte uns immer wieder auf Abenteuer. Und er beschrieb, als die DDR verschwand, den Untergang des Telesalt-Planeten. Als er seine Stasi-Akte gelesen hatte, offenbarte er sie in "Das Sudelfass" mit einem kommentierenden Begleittext, bewusst unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Routschek.

Denn auch als Helmut Routschek war er kein Unbekannter. 1934 im böhmischen Zarch geboren, kam er nach der Vertreibung aus dem Sudetenland nach Thüringen. Er studierte an der Bergakademie Freiberg, promovierte als Doktor-Ingenieur. 17 Jahre war er als Markscheider, Fachmann für Automatisierung und Experte für Untergrundgasspeicherung tätig. Ein anerkannter Fachmann zwischen Hoyerswerda, Schwarze Pumpe und Tagebau Spreetal. Anschließend arbeitete er verwaltend im Bau- und Wohnungswesen in Cottbus.

Nebenbei gab es seit 1969 immer sein zweites Ich, das schreibend in ferne Galaxien unterwegs war. Als Alexander Kröger veröffentlichte er mehr als 30 Bücher, vor allem Romane, aber auch Kurzgeschichten, Reiseberichte und Anekdoten. Mit galaktischen Auflagenhöhen. Allein seine zwölf wissenschaftlich-fantastischen Romane hatten eine Gesamtauflage von mehr als 1,6 Millionen Büchern. Damit war er einer der meist gelesenen Autoren im Osten Deutschlands.

Nicht Fiction, sondern die nackte Wahrheit schilderte er vor wenigen Jahren in seinen Ego-Episoden. Sie steckten, wenn auch manches nicht zum Lachen war, voller Heiterkeit. Wenn wir jetzt auch voller Trauer sind, erinnern wir uns daran und an die Sternstunden für geerdete Träumer, die der Menschheit eine zweite Chance geben wollen und bewahren, was wahr ist.