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| 02:53 Uhr

Der Unfalltod des Autors

FOTO: Verlag
Der Autor ist tot. Nicht etwa im übertragenen Sinne, wie der französische Sprachforscher Roland Barthes einmal die Bedeutung eines Schriftstellers für dessen eigenes Werk drastisch herunterspielte – sondern tatsächlich. Sebastian Fischer

Und zwar er selbst. Barthes' Ende naht am 25. Februar 1980 mit einem Lieferwagen auf der Pariser Rue des Écoles, vier Wochen später stirbt er. Laurent Binet setzt in seinem jüngst auf Deutsch erschienenen Roman "Die siebte Sprachfunktion" an jenem "schrecklich dumpfen Laut von Fleisch gegen Karosserieblech" an. In seinem Roman beginnt mit dem Ende eines der bedeutendsten Wissenschaftler in Sachen Text und Struktur ein Kriminalfall höchster Brisanz. Alles in diesem Buch ist ein Zeichen. Semiotiker werden sich die Hände reiben. Literaturwissenschaftler sowieso. Binet versteht die theoretische Klaviatur der Linguistik - und setzt sie literarisch um. Dann darf es auch einmal im Ausruf gipfeln: "Wie schön ist mein Zeugma! Wie schön mein Asyndeton!"

Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion. Rowohlt, 528 Seiten, 22,95 Euro