Kriminelle Energie wird von dem Publikum gefordert, das sich im überdachten Hof des Finsterwalder Kreismuseums eingefunden hat. „Es sind doch einige Politiker aus dem Landkreis hier, da dürfte das nicht schwer sein“ , setzt Achim nach. Die Besucher sollen ihm helfen, ganz schnell an ganz viel Geld zu kommen. Wofür? Ein Leben unter Palmen, den Kopf in einem Eimer Sangria getaucht, umringt von weiblichen Schönheiten, die ihm seine Lenden massieren. Dafür täuscht Achim seinen Tod vor, um an die Lebensversicherung zu kommen.

Zuschauer sind Ozonloch und Komet
Das Publikum muss als Ozonloch und Komet fungieren und tatenlos zusehen, wie die Umsetzung des holprigen Plans scheitert. Statt des Geldregens platzt Gevatter Tod mit einem ausgeprägten Sprachfehler in Achims Leben, um ihn „um Punkt zwulf mut runter“ in sein Reich zunehmen.
Doch Achim will nicht sterben, er hat noch so viel vor: „Ich muss einen Sohn zeugen - braucht ja nicht mit der Uschi zu sein. Und ein Buch schreiben, oder wenigstens eins lesen.“ Ersatz muss her, einer anderer soll für ihn sterben. „Finsterwalde kann man doch auch mal verlassen“ , schlägt Achim dem Publikum vor. Aber keiner will in die Hölle. „Das ist typisch für unsere Gesellschaft - alles Egoisten“ , schimpft der hilflose Kerl im Strickpullover. Damit beginnt die Casting-Show.

Fast wie im wahren Leben
Die drei Puppenspieler des „Erfreulichen Theaters“ aus Erfurt lassen ihre selbstgebauten Handpuppen in fröhlich derber Weise vom Leben erzählen: von großen Hoffnungen und kleinen Missverständnissen, vom Verfall der Gesellschaft, geplatzten Träumen und den alltäglichen Irrungen. Knapp zwei Stunden toben sich Eva Noell, Ronald Mernitz und Paul Olbrich zum Vergnügen der Zuschauer unter und hinter der Bühne aus.
Uschi sei Dank fehlen auch die üblichen Kasper-Krokodil-Polizist-Verdächtigen nicht. Schließlich will sie das Kaspertheater als seriöses Familienunternehmen führen und da sind geeignete Darsteller nötig. „Die müssen nichts können, nur hübsch sein“ , verlangt Uschi. Das Casting läuft und jeder der Kandidaten eignet sich sowohl für die Rolle als Loser als auch für das Theater.
Da ist die schwervermittelbare, langzeitarbeitslose, überqualifizierte Dramaturgin, geschickt von der Agentur für Arbeit, die ein Stück über die „relative Lebendigkeit der Puppe“ plant. Auch der depressive Erwin scheint perfekt zu sein, um für Achim in den Tod zu gehen. „Bei mir ist alles schlimm, ich wurde schon als Waisenkind geboren“ , jammert er. Und spätestens mit dem unsichtbaren Dieter glaubt Achim seinem Schicksal entrinnen zu können. Aber Uschi nimmt sie alle. Engagiert als Hexe, Krokodil und Kasper bekommen sie einen neuen Sinn und haben auch noch Spaß dabei. Als Achims letztes Stündlein zu schlagen droht, entpuppt sich der Sensenmann als Mitarbeiter der Gasbetriebe, der den Zählerstand ablesen will. Zum Schluss explodiert die fehlerhafte Gasanlage und damit die ganze Kasperbühne. Es bleibt die Feststellung: Vielleicht wäre eine neue Gasturbine nicht verkehrt gewesen.
Die Zuschauer, die immer wieder in das wilde Treiben integriert werden, haben Spaß. Die „erfreulichen“ Puppenspieler hauchen den Figuren Leben ein, lassen sie tanzen und streiten, und bieten eine große Auswahl an markanten Protagonisten - anders als in den realen Talk-Shows.
Die Eröffnungsveranstaltung in Finsterwalde hat Lust gemacht auf mehr Puppentheater. „Wer einmal hier war, kommt wieder“ , sagt Andreas Pöschl, Kulturamtsleiter des Landkreises. Bis zum 22. September haben die Besucher Zeit. Bis dahin werden im gesamten Landkreis Elbe-Elster mehr als 50 Stücke für Kinder, Erwachsene und die ganze Familie aufgeführt.

Service Zum Festival
 Informationen zum Internationalen Puppentheaterfestival und Karten für die Veranstaltungen gibt es beim Kulturamt des Landkreises Elbe-Elster telefonisch unter: 0353/ 5 465104 oder im Internet: www.lkee.de