Spätestens Ende des Jahres soll der Abriss beginnen, unwiderruflich, wie der Berliner Senat verkündet. 20 Millionen Euro soll er kosten.
Doch bevor das eintritt, wird noch einmal zum letzten Appell geblasen. Akteur ist der Tod, angezogen vom Geruch des Morbiden zwischen dem Skelett aus rostigem Stahl und Eisenträgern und der Irritation kahler Etagenaufgänge.
Fraktale IV heißt die Szenerie, die hinein in das ausgeweidete Gebäude projiziert wurde, kuratiert von Jonas Burgert und Ingolf Keiner, die nach "Natur" (2000), "Evolution" (2001) und "Metaphysik" (2002) das vierte Mal mit den Mitteln zeitgenössischer Kunst den Dialog mit einem Ort des Zwischenzustands eingetreten sind. Diesmal ist es nach der im Krieg ausgebrannten Parochialkirche in Mitte, den Gärkellerhallen unterm Pfefferberg und dem noch leeren High-Tech -U-Bahnhof Reichstag unter dem Regierungsviertel der größte aller bisherigen bespielten Orte des Künstlerduos, das auch mit eigenen Arbeiten aufwartet. Sicher auch der Schwierigste und Sensibelste, Umstrittenste und Geschichtsträchtigste.
25 Künstlerinnen und Künstler sind mit Gemälden, Installationen, Fotografien, Skulpturen, Videos und Objekten präsent. Es sind durchweg individuelle Reflexionen auf das Thema Tod. Sie sind nicht zuletzt inspiriert von dem wandlosen, ausgehöhlten Gebäude-Gerippe, durch das man schauen kann bis hin zu der blind gewordenen Glasfassade mit ihrer tristen Außenhaut - mit Blick zum ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude und der Attrappe der früheren Bauakademie.
Durchbrochen wird die Endzeitstimmung lediglich im Foyer durch einen großen, schneeweißen Kubus, in dem die Initiatoren geschickt die kleineren, stilleren Arbeiten in Szene gesetzt haben.
Die Macher sprechen nicht von ungefähr mit einem spöttischen Unterton von der neuen Berliner Kunsthalle. Anfangs wurde eine öffentliche Förderzulage versprochen. Als jedoch der Ort den angesprochenen Geldgebern bewusst wurde, zog man sie zurück. Nun müssen die Kosten über Sponsoren, Veranstaltungen und Eintrittsgelder aufgebracht werden. Der "Tod" hat seinen Preis, ob man ihn mag oder nicht.
Ansonsten ist dem Schwebezustand zwischen dem Sein und dem Nichtsein viel Platz zugebilligt worden, verteilt bis auf die Friedhofsruhe der zweiten Etage. Düster ist die Schau keinesfalls. Eher geheimnisvoll, manchmal auch poetisch oder melancholisch, burlesk- ironisch, philosophisch oder mystisch. Der Tod hat halt unendlich viele Facetten. Ihnen gerecht zu werden, ist uns Sterblichen kaum möglich.
"Eines Tages will ich es wissen", hat Benjamin Bergmann seine halsbrecherische Installation mit einer steilen Abfahrtsrampe getauft, für die ein Fahrrad für einen "Absprung in eine andere Dimension" bereit steht.
Fraktale IV, Tod. Palast der Republik, Schlossplatz Berlin-Mitte, bis 22. Oktober, tägl. 10-20 Uhr, Eintritt fünf Euro, www.fraktale-berlin.de