Wer hätte das gedacht? Eigentlich sind Ankündigungen der Münchner Kommissare ein guter Grund, die Augen zu verdrehen. Beim letzten Tatort aus Bayern hat die Rundschau den beiden Urgesteinen Leitmayr und Batic sogar nahegelegt, endlich den Hut zu nehmen. Und dann so etwas – ein genialer Tatort, in dem die beiden Urgesteine so gar nicht urgesteinigt tun, in dem Kalli mal zeigen darf, wie gut er eigentlich ist, und in dem der Zuschauer ganze 90 Minuten lang auf die Folter gespannt wird, weil er schlicht nicht weiß, wie diese „Unklare Lage“ schließlich gelöst werden kann. Dieser Bayern-Tatort spielt mit einer Grundangst, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr ins Zentrum der Wahrnehmung westlicher Gesellschaften gebrannt hat – mit der Angst vor einem Anschlag. So etwas kann man ungeschickt und übertrieben darstellen, oder man stellt es so dar, wie es die Münchner Tatort-Macher getan haben. In jeder Sekunde ist die Unsicherheit zu spüren, die a) Gesellschaft und b) Ermittler in einer solchen Situation spüren. Holger Joos hat das Buch geschrieben, Pia Stietmann die Regie geführt – und beide haben wirklich alles richtig gemacht. Nur eins hat dann den Journalisten doch ein wenig gestört – niemals, aber auch wirklich niemals würde sich ein seriöser Kollege dem Einsatzwagen in den Weg stellen. Trotzdem – auch wenn die Journalisten in „Unklare Lage“ nicht besonders gut weggekommen sind – dieser Tatort aus Bayern war ein Fest. Spannend, mitreißend und nicht eine Sekunde lang langweilig. Chapeau! Vielleicht sollten die beiden doch noch ein wenig weiter ermitteln.