Prostitution von Minderjährigen – das Thema des Ludwigshafener Tatorts war schon harter Tobak. Mitsamt der Darstellung des Problemviertels Oggersheim inklusive Western-Kneipe wurde es jedoch recht nüchtern aufbereitet. Der Tatort ist mehr sachliche Milieustudie als Krimi. Obwohl es scheinbar jeder weiß, scheint sich keiner im Stadtteil darum zu scheren, dass da zwei Jugendliche Sex für Geld verkaufen. Erst recht nicht die Eltern. „Ja, was soll ich da jetzt machen“, antwortet die Mutter von Vanessa gleichgültig, als sie von den Ermittlern drauf angesprochen wird. Da möchte man sie und die Kinder an ihren Schultern packen, wachrütteln und zur Räson bringen. Ermittlerin Lena Odenthal geht das jedenfalls nahe. Sehr aufgebracht ist sie. Schmeißt Äpfel, wird auch mal laut, zum Ende rollen Tränen. Partnerin Johanna Stern wirkt dagegen fast gefühlskalt. Das Trio Vanessa, Leon und Samir, die Kinderprostitution – das alles steht so sehr im Mittelpunkt, dass man Kneiper Hans, das Mordopfer, beim Zuschauen beinahe vergisst. Die eigentliche moralische Zwickmühle zwischen den beiden Polizistinnen kommt hingegen bei den ganzen Ermittlungen eindeutig zu kurz. Die Frage, ob es besser ist, Straftaten zu verhindern als sie zu verfolgen, bleibt unbeantwortet. Davon in Zukunft bitte gerne mehr.