Sie bekommen zwar keine subventionierten Tickets, dafür jedoch die ganze Breite des Popmusikspektrums geboten, stilistisch und qualitativ.
Ob Berühmtheit oder Kleinkünstler - für jeden ist ein passender Auftrittsort vorhanden. Die Superstars gehen in die Großarenen, die weitgehend unbekannten Unterhalter eben in die kleinen Clubs.
In dieser Woche war das anders, da trat eine Sängerin im Velodrom auf, obwohl die Halle - Berlins größte Kon-zertarena - ein paar Nummern zu groß für sie war. Die 12 000 Plätze im Velodrom zu füllen, gelingt in der Regel nur Stars wie George Michael oder Rammstein.
Barbara Clear jedenfalls nicht. Die aus Bayern stammende Folkmusikerin mit der Klampfe sang dagegen vor ein paar Hundert Zuschauern. Die kleine Frau hatte die Halle als eine von sechs in Deutschland und Österreich im Rahmen ihrer „Zwergenaufstand“ -Tournee gebucht.
Tatsächlich probt die 42-Jährige eine Art Aufstand gegen die Musikindustrie mit ihren Vermarktungsstrategien und gegen den ganzen Pop-Glamour-Zirkus, der nach ihrer Meinung „eh nur Seifenblasen produziert“ .
Ihr Aufbegehren gegen die üblichen Regeln des Musikbusiness kommt sie teuer zu stehen. 250 000 Euro hat sie in die Tour investiert, ohne die Unterstützung einer Plattenfirma im Rücken zu haben, geschweige denn einen Radiohit. Barbara Clear singt vor allem Songs anderer Künstler wie Janis Joplin oder Alanis Morissette.
Trotzdem in derselben Halle aufzutreten wie Robbie Williams, ist dreimal mutiger als dessen Stilwechsel von Popballaden zu Hip-Hop. Williams kann nur künstlerisch pleitegehen, Barbara Clear finanziell, trägt sie doch das gesamte Risiko allein.
Im Jahr 2004, als sie das erste Mal eine Großarena buchte, ging das gut, auch weil der Überraschungseffekt inklusive Medienaufmerksamkeit enorm war. Aufgrund dessen konnte die Sängerin damals 8000 Zuschauer in die Münchner Olympiahalle locken. Dieser Coup lässt sich allerdings nicht mehrmals wiederholen, wie die Sängerin nun erfahren muss. Es macht ihr trotzdem nichts, sagt sie.